Zürich
Neonazi-Gruppierung «Junge Tat» will Tanzhaus-Aktion erklären

Die rechtsradikale Gruppierung störte letzte Woche in Zürich eine Vorlesestunde von Dragqueens für Kinder. Nun melden sich die Neonazis auf den Sozialen Medien mit einem Video, um ihre Aktion zu erklären.

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Im Zürcher Tanzhaus findet regelmässig eine Lesestunde mit Drag Queens statt.

Im Zürcher Tanzhaus findet regelmässig eine Lesestunde mit Drag Queens statt.

Ennio Leanza / Keystone

Viele Leute zeigten sich ­schockiert nach der Aktion der Neonazi-Gruppierung «Junge Tat» mitten in Zürich. Es war am Sonntag, 16. Oktober, als diese die «Drag Story Time» im ­Zürcher Tanzhaus störte. Die «Drag Story Time» ist eine Vorlesestunde für Kinder, bei der Drag Queens die Geschichten vorlesen. Bei der Störaktion ­entzündeten vermummte Personen Rauchfackeln und schrien Parolen. Auf einem Transparent stand: «Familie statt Gender-Ideologie.» Zuvor hatte sich die «Junge Tat» auch unter das Publikum der Vorlesestunde gemischt.

Obwohl die rechtsradikale Gruppierung relativ neu ist, sorgte sie schon mehrfach für Schlagzeilen. Die vermummten jungen Männer marschierten bei Massnahmendemos mit und während der Demonstration am 1. Mai kletterten Mitglieder der «Jungen Tat» auf einen Kran und brachten ein Banner an.

Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross – eine Organisation, die sich für die Rechte von queeren Menschen einsetzt – forderte Massnahmen gegen die radikale Gruppierung: «Rechtsextreme werden in der Schweiz kaum beobachtet. Sie können machen, was sie wollen. Da versagt der Staat.»

«Tobi» und «Manu» reden über ihr Tat

Am Sonntag nun veröffentlichte die Gruppierung ein Video, in dem sie die Hintergründe ihrer Störaktion erklären will. In dem Video sprechen zwei Mitglieder, «Tobi» und «Manu».

Insbesondere wird eine der Veranstalterinnen der Show, Brandy Butler, kritisiert, da sie eine «gender-ideologische und links-dogmatische Persönlichkeit» sei. Einem grösseren Publikum ist sie aus «The Voice of Switzerland» bekannt. Neben Butler seien auch die Dragqueens «keine unbeschriebenen Blätter», da diese in «dubiosen Kreisen» unterwegs seien oder «in zwielichtigen Kollektiven» mit­wirkten.

Weiter zeigen sich die beiden jungen Männer empört darüber, dass ihre Aktion ­skandalisiert worden sei. Der grössere Skandal seien die Lesestunden mit den Drag Queens. «Unsere Aktion wird skandalisiert und der eigentliche ­Skandal, diese Drag-Queen-Vorlesung, wird, wenn überhaupt, in einem positiven Licht erwähnt», sagen die beiden. «Unsere gesunde Kritik am Gender-Mainstreaming und an der Woke-Ideologie versucht man zu diskreditieren.» Man setze sich ein für eine gesunde und intakte Familie und für ein positives Geschlechterverständnis und ­kritisiere zurecht die «Gender-Ideologie» und den «woken Wahnsinn».

Die nächste «Drag Story Time» im Zürcher Tanzhaus wird Ende November statt­finden. (chm)