Der Hochschulkanton Zürich gehört landesweit zu den Schlusslichtern, was die finanzielle Unterstützung Auszubildender betrifft: Nur rund 5 Prozent eines Jahrgangs erhalten Stipendien. Gesamtschweizerisch sind es 7,5 Prozent. Mit einer umfassenden Stipendienreform soll sich dies künftig ändern.

Der Kantonsrat hat das Reformpaket gestern in erster Lesung durchberaten und grossmehrheitlich gutgeheissen. Am 27. April wird er endgültig darüber entscheiden. Bis zur Inkraftsetzung dürfte es dann nochmals zwei Jahre dauern. Die wichtigsten Änderungen:

Künftig soll der Kanton existenzsichernde Stipendien an Stipendienberechtigte nur noch bis zum 25 Altersjahr auszahlen, in begründeten Härtefällen bis zum 28. Altersjahr. Gründe für die Fristerstreckung bis 28 sind Erwerbstätigkeit, Betreuung eigener Kinder, Militär- und Zivildienst, Krankheit sowie Erfüllung von zwingenden Ausbildungserfordernissen.

Ein Antrag der SP, existenzsichernde Stipendien dazu Berechtigten generell bis zum 28. Altersjahr auszuzahlen, scheiterte im Parlament. Existenzsichernde Stipendien liegen in der Grössenordnung von maximal 2000 Franken pro Monat. Die Details regelt der Regierungsrat per Verordnung. Bislang gibt es die Alterslimite 25 nicht.

Bis zum 35. Altersjahr werden gemäss Stipendienreform wahlweise reduzierte Stipendien oder neu auch Ausbildungs-Darlehen ausbezahlt. Die Darlehen sind während der Ausbildung und noch ein Jahr danach zinslos, danach müssen sie innert 10 Jahren verzinst zurückbezahlt werden.

Den Zinssatz legt der Regierungsrat per Verordnung fest. Die SP scheiterte auch mit ihrem Antrag, die Rückzahlungsfrist auf 15 Jahre auszudehnen. Heute werden die Darlehen erst ab dem vierten Jahr nach der Ausbildung verzinst.

Vom 35. bis zum 45. Altersjahr können Ausbildungsbeiträge nur noch in Form von rückzahlbaren Darlehen bezogen werden. Die gleiche Alterslimite gilt bereits heute. Die bürgerliche Ratsmehrheit folgte einem SVP-Antrag, die Altersgrenze nicht auf 50 heraufzusetzen.

Ein neuer Berechnungsschlüssel erweitert die Zahl der Stipendienberechtigten im Kanton Zürich um rund 600 Personen. Beitragspflichtige Eltern werden dadurch etwas entlastet. Ausserdem werden mit der Stipendienreform neu auch Auszubildende im Berufsvorbereitungsjahr stipendienberechtigt.

Insgesamt stiege der Anteil der Stipendienbezüger unter den Auszubildenden von 5 auf 5,5 Prozent, wenn die Stipendienreform umgesetzt wird. Die Kosten für den Kanton würden sich um 5 bis 7 Millionen Franken pro Jahr erhöhen. Zuletzt gab der Kanton in einem Jahr 37,6 Millionen Franken für Ausbildungsbeiträge aus.

Alterslimite «realitätsfremd»

Dass die Stipendienreform Ende April im Kantonsrat durchkommt, scheint ausser Frage. Vertreter aller Parteien sprachen sich gestern für das Reformpaket aus. Die meisten Änderungsanträge blieben chancenlos.

Heftig umstritten war allerdings die Alterslimite von 25 Jahren für existenzsichernde Stipendien. Res Marti (Grüne, Zürich) brandmarkte sie als «realitätsfremd». An der Universität Zürich seien nur knapp 10 Prozent jener, die mit einem Master abschliessen, unter 25 Jahre alt. Bei den Bachelor-Abschlüssen seien es 52 Prozent.

«Ich will die Realität nicht verneinen», entgegnete Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP). «Aber man kann nicht einfach vom Ist- auf den Sollzustand schliessen. Wenn der Staat ihnen bis zum 25. Altersjahr die Existenz sichert, könnten sich Studierende danach richten.»

Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) vertrat die Ansicht, die allermeisten Studiengänge könnten mit 25 Jahren abgeschlossen werden. «Die Ausbildung soll möglichst zügig abgeschlossen werden», fand Sabine Wettstein (FDP, Uster).

Und wer mit mehr als 25 Jahren noch in Ausbildung sei, könne auch mehr Eigenverantwortung übernehmen respektive Darlehen aufnehmen. «Mit der Reform stärken wir die Hilfe zur Selbsthilfe», bilanzierte Philipp Kutter, Fraktionschef der CVP, die die Stipendienreform mit mehreren parlamentarischen Vorstössen ausgelöst hatte.