Dies teilte das Bundesamt für Statistik gestern mit. Der Grund liegt auf der Hand: Die Schweiz ist für Gäste aus den Euro-Ländern noch teurer geworden, seit die Schweizerische Nationalbank vor einem Jahr den Euro-Mindestkurs aufhob.

Gesamthaft resultierte in der Schweiz ein Rückgang der Logiernächte um 0,8 Prozent. Jetzt die gute Nachricht: In den Schweizer Städten, allen voran Zürich, boomt der Tourismus trotz Frankenstärke weiter.

So verzeichnete die Tourismus-Region Zürich, die von Baden bis Zug und von Winterthur bis Pfäffikon (SZ) reicht, 2015 ein Logiernächteplus von 3,9 Prozent.

Auch die Tourismusregionen Basel, Genf, Luzern/Vierwaldstättersee sowie Berner Oberland legten zu.

Massive Einbussen erlitten hingegen zwei klassische Reiseziele in den Bergen: Graubünden verlor 335 000 Logiernächte und ist damit sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentual (-6,6 Prozent) der grösste Verlierer.

Das Wallis büsste 149 000 Logiernächte ein und liegt nun gleichauf mit dem Berner Oberland. Hart traf der Euroschock auch das Tessin und die Ostschweiz.

Die Tourismusregion Aargau legte hingegen auf bescheidenem Niveau leicht zu.

Während der Tourismus im Landesdurchschnitt kriselt, kann Zürich also seine Position als Schweizer Tourismus-Destination Nummer 1 ausbauen.

Martin Sturzen-egger, Direktor von Zürich Tourismus, führte vor den Medien vor allem zwei Gründe dafür an: Zum einen bilde der Geschäftstourismus, der über die Hälfte aller Logiernächte in Zürich ausmache, ein solides Fundament.

Er sei zwar konjunkturabhängig, aber weniger preissensibel als der Freizeittourismus. Zum anderen profitiere Zürich davon, dass der Tourismus aus Indien, China und den Golfstaaten weiter boome.

«Diese Leute kommen aus urbanen Regionen. Zürich ist für sie schon Dorf genug», so Sturzenegger.

Eine Verlagerung vom ländlichen zum Städtetourismus sei seit Jahren zu beobachten. Die Euroschwäche beschleunige diesen Trend.

Der Trend zum Städtetourismus dürfte sich laut Zürich-Tourismus-Präsident Guglielmo Brentel künftig noch verstärken: «2020 lebt die Hälfte der Menschheit in Megacitys. Mehr Natur als Zürich vertragen die gar nicht.»

Den Löwenanteil der Logiernächte in der Region Zürich hatte denn auch die Stadt und die nähere Agglomeration Zürich mit 77,3 %, gefolgt von den Regionen Zürichsee (9,2%), Winterthur (6,1%), Zug (5,8%) und Baden (1,6%).

Und die grössten Zuwachsraten hatte der Tourismus im Raum Zürich wie auch gesamtschweizerisch bei den Gästen aus China, mit einem Plus von über 30 %.

Die Chinesen sind damit nach den Schweizern, den Deutschen, den Nordamerikanern und den Briten die häufigsten Kunden in den Zürcher Hotels, dicht gefolgt von Gästen aus Südostasien, Indien und den Golfstaaten, bei denen Zürich Tourismus letztes Jahr ebenfalls zweistellige Zuwachsraten verzeichnete.

Mit Abstand die meisten Gäste in den Zürcher Hotels kommen indes weiterhin aus der Schweiz.

Deutschland dürfte allerdings als zweitwichtigstes Herkunftsland schon nächstes Jahr von den USA abgelöst werden, prophezeite Sturzenegger.

«2020 lebt die Hälfte der Menschheit in Megacitys. Mehr Natur als Zürich vertragen die gar nicht.» Guglielmo Brentel, Präsident Zürich Tourismus

«2020 lebt die Hälfte der Menschheit in Megacitys. Mehr Natur als Zürich vertragen die gar nicht.» Guglielmo Brentel, Präsident Zürich Tourismus

Neue Konkurrenz

Punkto Logiernächte hat Zürich den Euroschock, den der Nationalbank-Entscheid vom Januar 2015 auslöste, einigermassen glimpflich überstanden.

Umsatzsteigerungen lassen der starke Franken und eine immer grössere Konkurrenz aber derzeit nicht zu, wie Zürich Tourismus in einer Medienmitteilung festhält.

«Die Logiernächte sind nur die halbe Wahrheit», doppelte Martin von Moos nach. «Die Preise sind tendenziell rückläufig», so der Präsident der Zürcher Hoteliers weiter.

Zur Konkurrenz tragen einerseits die Investoren bei, die neue Hotels bauen lassen. Laut von Moos entstehen bis im Jahr 2020 in Zürich 2000 neue Hotelzimmer.

Auch Airbnb, die online vermittelte Vermietung von Privatwohnungen an Touristen, stelle eine grosse Herausforderung für die Hoteliers dar.

Ohne Airbnb belief sich die Zahl der Logiernächte in der Tourismusregion Zürich 2015 auf 5,6 Millionen.

Mit den statistisch nicht erfassten Airbnb-Übernachtungen wäre die 6-Millionen-Grenze laut von Moos geknackt worden.

Der Präsident der Zürcher Hoteliers fordert daher, dass das Unternehmen Airbnb die gleichen gesetzlichen Anforderungen wie Hotels erfüllen und ebenfalls Abgaben an Zürich Tourismus bezahlen muss.

Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus

Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus