Zürich
Lichtshow, Essen, Partys: So gestaltet sich das diesjährige Silvester in der Stadt

Ganz so trostlos wie das letzte wird das diesjährige Silvesterfest in Zürich zwar nicht. Mit manchen Abstrichen werden die Besucherinnen und Besucher aber auch in diesem Jahr leben müssen.

Sven Hoti
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Das Silvesterfest 2021 in Zürich muss ohne das grosse Feuerwerk am Seebecken auskommen.

Das Silvesterfest 2021 in Zürich muss ohne das grosse Feuerwerk am Seebecken auskommen.

Archivbild: Christian Merz/Keystone

Schon wieder ist ein Jahr vorbei – ein weiteres im Zeichen der Coronapandemie. Und wieder einmal hat der Bundesrat die Schraube für das öffentliche Leben angezogen. Denn die Corona-Fallzahlen sind noch immer auf hohem Niveau und die Lage in den Spitälern ist angespannt. Im letzten Jahr fielen die grossen Silvesterfeiern dem Shutdown zum Opfer. In diesem Jahr sieht es etwas besser aus. Eine Übersicht.

Lichtshow statt Feuerwerk

Für die Freundinnen und Freunde der gepflegten Knallerei dürfte die Absage des diesjährigen Feuerwerks am Zürcher Seebecken eine besonders grosse Enttäuschung sein. Es ist die zweite Absage, nachdem bereits im letzten Jahr das Feuerwerk der Pandemie zum Opfer gefallen war. Normalerweise zieht das Spektakel rund 150'000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Innenstadt. Für den Veranstalter, den Verein Silvesterzauber Zürich, ist die Umsetzung der Coronamassnahmen aufgrund des offenen Festgeländes gemäss eigenen Aussagen nicht möglich.

Ebenfalls abgesagt wurde im letzten Jahr eine Neuerung, welche die Veranstalter einführen wollten: eine Lichtershow des international bekannten Künstlers Gerry Hofstetter. Was 2020 wohl lediglich eine nette Ergänzung zum Festprogramm gewesen wäre, ist in diesem Jahr die Hauptattraktion. Silvesterzauber Zürich hat sich dazu entschlossen, die Lichtershow an Silvester als Alternative zum Feuerwerk zu präsentieren.

Dieses Silvester erstrahlen altehrwürdige Bauten in der Zürcher Innenstadt in den unterschiedlichsten Farben und Mustern, hier das Grossmünster.

Dieses Silvester erstrahlen altehrwürdige Bauten in der Zürcher Innenstadt in den unterschiedlichsten Farben und Mustern, hier das Grossmünster. 

zvg/Silvesterzauber Zürich
Auch auf dem Sechseläutenplatz gibt es die Lichtkunstwerke des Künstlers Gerry Hofstetter zu bestaunen, hier das Opernhaus.

Auch auf dem Sechseläutenplatz gibt es die Lichtkunstwerke des Künstlers Gerry Hofstetter zu bestaunen, hier das Opernhaus.

zvg/Silvesterzauber Zürich

zvg/Silvesterzauber Zürich

Die Lichtspiele unter dem Titel «Silvesterzauber light» werden an Silvester von 17 Uhr nachmittags bis 2 Uhr morgens an diverse Bauwerke im Raum Limmatquai und Innenstadt projiziert. Wer am 31. Dezember keine Zeit hat, erhält am 1. und 2. Januar, jeweils von 17 bis 23 Uhr, zwischen dem Opernhaus und der Rudolf-Brun-Brücke erneut die Gelegenheit, die Kunstwerke aus Licht zu begutachten.

Die Restaurants erfreuen sich reger Nachfrage

Als der Bundesrat am 17. Dezember die Massnahmenschraube anzog, wurde die 2G-Pflicht in den Restaurants zur Tatsache. Nur noch Gäste, die geimpft oder genesen sind, dürfen rein. Für viele Gastrobetriebe bedeutet dies keine grosse Veränderung, da sie bereits im Vorfeld auf freiwilliger Basis 2G einführten, um weitere Massnahmen zu umgehen. Unklar ist hingegen, ob und wie sich das Verhalten der Gäste in den kommenden Tagen und Wochen verändern wird; ob sie angesichts der hohen Fallzahlen nun doch eher zu Hause bleiben.

Bei den Weihnachtsessen ist es zu zahlreichen Stornierungen gekommen, wie Urs Pfäffli, Präsident von Gastro City Zürich, gegenüber der «Limmattaler Zeitung» sagte. In Bezug auf Silvester ist aber alles noch offen. «Ein paar Stornierungen gab es, aber insgesamt sind wir bis Ende Jahr gut ausgelastet», sagt ein Sprecher des Hotels und Restaurants Uto Kulm auf dem Üetliberg auf Anfrage.

Das «Uto Kulm» bietet für Silvester verschiedene Mehrgänger, ein Feuerwerk auf dem Üetliberg sowie eine Party mit Livemusik an. Weil viele Gäste auch an der Party teilnehmen würden, gelte an allen Anlässen die 2G-plus-Regel. Das heisst, nur geimpfte oder genesene Personen mit zusätzlich einem negativen Testresultat haben Zutritt. «Die Leute sind glücklich darüber, dass wir die Massnahmen zusätzlich verschärft haben», sagt der Sprecher.

Die «Kronenhalle» beim Zürcher Bellevue ist für Silvester gut gebucht.

Die «Kronenhalle» beim Zürcher Bellevue ist für Silvester gut gebucht.

Christian Beutler/Keystone

Auch die «Kronenhalle» an der Rämistrasse beim Bellevue verzeichnet für den 31. Dezember eine rege Nachfrage, wie deren Geschäftsleiter Dominique Godat mitteilt. Stornierungen könnten derzeit noch problemlos kompensiert werden. Das Restaurant bietet an Silvester jeweils um 18, 20 und 22 Uhr Menus à la carte an. «Wir sind sehr gut gebucht», so Godat. Es seien nur noch einzelne Plätze frei.

Im Nachtleben herrscht Unsicherheit

Noch sind sie in den Programmen der hiesigen Clubs aufgeführt: die grossen, überschwänglichen Silvesterpartys. Ob sie so stattfinden können wie geplant, ist jedoch alles andere als sicher.

«Die grosse Unbekannten sind die Testkapazitäten und die Bereitschaft der Gäste, sich auf 2G-plus einzulassen»,

sagt Alexander Bücheli, Sprecher der Bar & Club Kommission Zürich. «Es ist schwierig abzuschätzen, ob diese ausreichend verfügbar sein werden für Silvester.»

Für die Clubbetriebe gilt 2G-plus. Damit können die Betriebe auf die Masken- und Sitzpflicht bei der Konsumation verzichten – ein für die Clubs und Bars zentrales Anliegen. Im Gespräch mit der «Limmattaler Zeitung» Mitte Dezember hatte sich Bücheli aus wirtschaftlichen Gründen gegen 2G-plus ausgesprochen. Denn bereits die 2G-Regel hatte der Clublandschaft einen erheblichen Besucherschwund beschert.

Alexander Bücheli.

Alexander Bücheli.

zvg

Für Silvester dürften die Leute aber eher bereit sein, sich vor dem Clubbesuch extra testen zu lassen, ist sich Bücheli sicher.

«Sollte es an Silvester nicht mehr Andrang geben, wäre das dramatisch. Das hiesse nämlich, dass 2G-plus überhaupt nicht akzeptiert wird.»

Der Besucherandrang werde aber wohl kleiner ausfallen als in den vergangenen Jahren. Ob er für die nötige Stimmung ausreiche und für die Betriebe wirtschaftlich sei, müsse sich zeigen, so Bücheli.

Schon jetzt ist eine gewisse Unsicherheit bei den Partygängern spürbar: Der Ticketvorverkauf sei in den vergangenen Wochen komplett eingebrochen, sagt Bücheli. Manche Clubs böten gar nicht erst einen Vorverkauf an. «Die Leute sind verständlicherweise vorsichtig geworden.»

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