Zürich
Kantonale Datenschützerin: Viel Arbeit wegen Corona-Pandemie

Die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich hat sich wegen der Corona-Pandemie plötzlich mit einer grossen Zahl und neuartigen Anfragen konfrontiert gesehen. So stellte sich etwa die Frage, ob eine Kirchgemeinde die Gottesdienst-Anmeldung über Doodle abwickeln darf.

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Home Office, Fernunterricht und vor allem der Umgang mit den Gesundheitsdaten beschäftigten die Datenschützerin.

Home Office, Fernunterricht und vor allem der Umgang mit den Gesundheitsdaten beschäftigten die Datenschützerin.

Archivbild: Severin Bigler/MAN

Es ist ein spezielles Jahr und der Datenschutz ein grosses Thema gewesen, wie die kantonale Datenschutzbeauftragte Dominika Blonski am Mittwoch vor den Medien sagte. So haben sich die Zugriffszahlen auf die Datenschutz-Website von rund 45'000 in normalen Jahren auf knapp 80'000 im Corona-Jahr fast verdoppelt und auch die Zahl der Anfragen ist stark gestiegen.

Die Pandemie brachte unbestritten einen Digitalisierungs-Schub mit sich. Die oft abstrakten Fragen, mit denen sich der Datenschutz befasst, wurden dabei zu Alltagsproblemen von vielen. Home Office, Fernunterricht und vor allem der Umgang mit den Gesundheitsdaten beschäftigten die Datenschützerin.

So stellte sich etwa die Frage, ob beim Contact Tracing der Name der infizierten Person bekannt gegeben werden darf. Bei einem Infektionsfall in einem Restaurant beispielsweise könnte das nach Ansicht der Datenschützer jedoch heikel werden.

Die Datenschutzbeauftragte empfahl der Gesundheitsdirektion deshalb ein schrittweises Vorgehen: Die Identität einer infizierten Person wird nur bekannt gegeben, wenn dies notwendig ist, also etwa wenn sich jemand gegen die Quarantäneanordnung wehren will.

Infizierte im Arbeitslosenprogramm

Auch die Schutzkonzepte stellten die Datenschützer vor neue Fragen: Eine Kirchgemeinde wollte etwa die Anmeldung zum Gottesdienst über die Terminplattform Doodle lösen. Nach Ansicht der Datenschützer ist dies jedoch heikel, da Angaben über religiöse Aktivitäten hohes Diskriminierungspotenzial bergen.

Lösen lasse sich dies beispielsweise durch eine Doodle-Anmeldung mit Pseudonymen. Die Kontaktdaten müssten dann über einen anderen Weg erfasst werden und nicht über eine Liste, die für alle einsehbar sei.

Ähnliche Schwierigkeiten tauchten beim Contact Tracing auf, wenn eine Infektion etwa in einem Arbeitsintegrationsprogramm des RAV oder der IV stattfand. Diese Kontaktdaten geben Auskunft über die soziale oder gesundheitliche Situation.

Die Corona-Krise habe den Mangel an Bewusstsein für die Anliegen des Datenschutzes erst richtig sichtbar gemacht, so die Datenschützerin. Aber auch ohne Druck einer weltweiten Ausnahmesituation würden Datenschutz und Informationssicherheit immer noch vernachlässigt. «Die Digitalisierung darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen», sagte Blonski. (sda)