Kommentar

Zürich ist nur oberflächlich sauber

(Symbolbild)

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Die Affäre um Entsorgung und Recycling Zürich stellt das Selbstverständnis der Stadt infrage.

Es war wohl Zufall: Wenige Minuten bevor am Donnerstag im Zürcher Stadthaus der Kommissionsbericht zur Affäre um Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) vorgestellt wurde, fuhr draussen die Müllabfuhr vorbei. Die Güselmänner sorgten auch an diesem Morgen «für ein sauberes Zürich», wie ein ERZ-Werbespruch auf dem Müllauto verkündete. Der Boden in der Altstadt war wieder einmal so blitzblank, dass man Salat davon essen könnte. Doch so sauber die Arbeit der Güselmänner ist, so unsauber war laut dem Kommissionsbericht das Geschäftsgebaren ihres Ex-Chefs Urs Pauli.

Einmal mehr wurde aufgerollt, wie unter seiner Ägide eine Kostenüberschreitung in zweistelliger Millionenhöhe beim Bau des Logistikzentrums Hagenholz resultierte. Damit nicht genug: Der Stadt respektive den Gebührenzahlern sei sehr wohl finanzieller Schaden entstanden, indem ERZ Aufträge freihändig und zu teuer vergab, befanden die Rechnungsprüfungs- und die Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderats. Und: Dies könnte durchaus strafrechtlich relevant sein. Die Kommissionen widersprachen damit der stadträtlichen Darstellung der ERZ-Affäre und kritisierten das lange Zaudern von FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger. Eine Parlamentarische Untersuchungskommission soll nun weitere Aufklärung bringen.

So oder so: Für Zürich stellt die ERZ-Affäre einen Imageschaden dar. Die Stadt ist nur oberflächlich sauber. Dahinter verbergen sich Abgründe aus Filz und Vetterliwirtschaft. Nicht nur, aber immer wieder. Saubermänner bleiben gefragt.

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