Die sogenannte Hungerinsel beim Hotel Terrasse zwischen Limmat- und Utoquai in Zürich wird aufgehübscht. Bis 2020 soll der kleine Platz für Passanten durchlässiger und um einen Brunnen erweitert werden. Dieses Projekt entsteht im Rahmen des 150-Jahr- Jubiläums der Abteilung Wasserversorgung Stadt Zürich. Diese Woche nun hat die städtische Abteilung das Siegerprojekt «Sardona» vorgestellt.

Das Modell von Architekt Timon Reichle hat sich gegen insgesamt 137 Entwürfe durchgesetzt, wie die Wasserversorgung der Stadt Zürich in einer Mitteilung schreibt. Unterstützt wurde Reichle vom Bildhauer Christian Aubry und dem Landschaftsarchitekten Roger Jans. Der «Sardona»-Brunnen erinnert mit seiner Form an einen Findling. Damit stellen die Entwickler den Bezug zum Gletscher Piz Sardona in den Glarner Alpen, der einst mit seinem geschmolzenem Schnee und Eis den Zürichsee mit Trinkwasser speiste. Die Umgestaltung soll planmässig im kommenden Jahr beginnen, sodass 2020 Zürich um einen Brunnen reicher ist.

Einst einziger Zugang zu Wasser

Zürich gilt bereits ohne den künftig neuen Wasserspender auf der Hungerinsel als Brunnenstadt. Laut der Industriellen Betriebe der Stadt zählte Zürich 2016 insgesamt 1237 Brunnen. Damit gehört die grösste Stadt der Schweiz zu den brunnenreichsten der Welt. Während die Wassertröge heute hauptsächlich das Stadtbild verschönern, waren sie einst die einzige Wasserversorgung für die Bevölkerung. Diese wurde erst im 19. Jahrhundert durch den Anschluss der Gebäude ans Wassernetz abgelöst.

Fliessend Wasser aber gibt es in Zürich seit dem 15. Jahrhundert. Damals waren Zieh- oder Sodbrunnen weit verbreitet. Laut der Abteilung Wasserversorgung Stadt Zürich nahm 1430 der erste öffentliche Laufbrunnen seinen Betrieb auf. Es handelt sich dabei um den Amazonenbrunnen am Rennweg. Auf dem Stadtplan von Jos Murer im Jahr 1576 ist der Brunnen bereits mit einer Figur auf dem Holzschnitt von Zürich erkennbar. Ob es sich dabei um die gleiche Figur wie heute handelt, ist jedoch nicht eruierbar. Brunnenfiguren mit jeweils reich verzierten Säulen sind charakteristisch für die Brunnen aus dieser Zeit. Noch heute prägen diese das Bild der Zürcher Altstadt.

Wöchentliche Reinigung

Rund ein Viertel aller Brunnen in Zürich werden über ein eigenes Quellwassernetz gespeist. An das Netz sind neben Spitäler und Zivilschutzbauten auch die über 80 Notwasserbrunnen angeschlossen. Diese Bronzeguss-Brunnen dienen der Versorgung der Bevölkerung im Falle eines Unterbruchs der normalen Wasserleitungen.

Das Quellwassernetz erstreckt sich über eine Länge von 150 Kilometern über das Stadtgebiet. Das Wasser stammt zum grössten Teil aus Quellfassungen, welche seit dem 15. Jahrhundert in den Hügeln rund um Zürich erstellt wurden. Die restlichen Brunnen in der Stadt sind am normalen Wasserversorgungsnetz angeschlossen – wie die Haushalte. Ihr Wasser besteht aus 70 Prozent Seewasser, 15 Prozent Quellwasser und genau so viel Grundwasser.

Neben der hohen Zahl an Brunnen wird damit eine weitere Besonderheit in Zürich augenfällig: Sämtliche Brunnen sind mit Trinkwasser gespeist. Wer Durst hat, kann sich an jedem dieser Wasserspender nach Lust und Laune erfrischen. Insgesamt acht städtische Mitarbeiter kümmern sich wöchentlich um die Sauberkeit und den Unterhalt der Brunnen. Insgesamt 800 der über 1200 öffentlichen und privaten Brunnen reinigen sie deshalb jede Woche.

Zum 150-Jahr-Jubiläum gibt die Wasserversorgung Stadt Zürich mit ihren technischen Brunnenführungen Einblick in die Zürcher Brunnenvielfalt: 14. Juli um 10 Uhr, 17. Juli um 10 und 18 Uhr, 7. August um 9, 10 und 18 Uhr, 18. August um 10 und 11 Uhr, 29. August um 10 und 18 Uhr und 6. September um 10 und 18 Uhr. Zudem können bei der städtischen Abteilung die Brunnenguides der verschiedenen Stadtkreise bestellt werden.