Grey's Anatomy

Zürich im Hollywood-Format: Altstadt weicht fiktivem Campus

Der Zürcher wäre überrascht, was sich alles so verändert hat, würde er in der Serie «Grey's Anatomy» an der Limmat entlang schlendern.

Die beliebte US-Serie «Grey’s Anatomy» spielt in Zürich. Die Limmatstadt bildet zwar in den aktuellen Folgen der Krankenhausserie, die am Montagabend auf SRF 2 ausgestrahlt wurden und im Online-Player noch verfügbar sind, nur ein Nebenschauplatz. Thematisch ist dieser Nebenstrang aber wichtig (hier wird der Abgang der resoluten Ärztin Cristina Yang eingeleitet). Und für den mit den Lokalverhältnissen vertrauten Zuschauer sind die kurzen «Zürcher» Szenen durchaus überraschend.

Denn natürlich werden, wie immer, wenn Hollywood oder die Macher von amerikanischen TV-Serien ihren Blick auf die Schweiz richten, Klischees bedient. Das positive vorweg; anders als in all den Agententhrillern wird nicht auf ein dubioses Nummernkonto und das Bankgeheimnis verwiesen. Diese Zeiten sind vorbei. In «Grey’s Anatomy» geht’s um die anderen Klassiker.

Das zeigt sich bereits am Anfang. Cristina Yang will eigentlich gar nicht von Seatlle nach Zürich fliegen, um dort (also hier!) einen Vortrag zu halten. Da entgegnet ihre Arztkollegin und Serie-Namensgeberin Meredith Grey: Das sei doch ein toller Gratis-Trip. «Eine Stunde reden für fünf Tage in den Schweizer Alpen.» Und tatsächlich; Zürich liegt mitten in den Bergen. Die schneebedeckten Gebirgszüge sind in unmittelbarer Nähe zu Gross- und Fraumünster platziert worden. Ziemlich kitschig wirkt das, ist aber sicher beste Tourismuswerbung. Naheliegend ist da natürlich, dass Grey Yang auch gleich noch bittet, ihr doch Schokolade aus der Schweiz mitzubringen.

Neben Bergen und Schokolade vermittelt die Serie ein weiteres positives Image: Zürich als Hightechstandort. Denn hier an der Limmat ist das «Klausmann Institute» angesiedelt. In dieser Privatklinik, in der Yang ihren Vortrag halten wird, wird an der Zukunft der Medizin getüftelt. So lassen sich Herzen, an denen herumgeschnippelt wird, als dreidimensionale, frei drehbare Hologramme über den Operationstisch projizieren.

«Wow, dieses schmucke, moderne  Zürich», denkt sich da der ferne TV-Zuschauer. Der nahe, mit den Örtlichkeiten vertraute Zusehende bleibt etwas irritiert. Nicht nur wegen der nahen Berge. Und wegen der seltsamen, ungewohnt anmutenden Stadtansichten, bei denen die Kirchen an unterschiedlichen Orten zu stehen scheinen. Sondern auch, weil für den grossen Privatklinikbau, in dessen weiten Fensterfronten sich die direkt daneben hinziehende Limmat spiegelt, fast die ganze Zürcher Altstadt auf der rechten Flussuferseite niedergeriessen werden musste (für die nahen Berge mussten wohl auch Wädenswil, Horgen und Kilchberg weichen). Diese Eingriffe lassen sich aber durchaus hinnehmen. Nicht Einerseits weil damit ein positives Image vermittelt wird. Anderseits weil zumindest das abgebrochene Altstadtquartier ja durchaus noch steht, wie kurz darauf in anderen Szenen der Krankenhausserie zu sehen ist. 

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