Schön ist das Studentenleben. Für Studentinnen und Studenten, die in der Stadt Zürich günstigen Wohnraum suchen, kann es mitunter auch ganz schön anstrengend sein. «Die Wohnsituation in der Stadt ist ziemlich schwierig», sagt beispielsweise Julia Wysling, die Präsidentin des Verbandes der Studierenden an der ETH (VSETH). Es stünden ganz einfach zu wenig günstige Wohnungen zur Verfügung. Prekär sei die Situation für die ausländischen Studierenden, die auf eine Unterkunft angewiesen seien, weil sie nicht pendeln könnten.

2900 ausländische Studierende befinden sich momentan allein an der ETH in einem Bachelor- oder Masterstudiengang. Hinzu kommen etliche Studierende aus anderen Kantonen. Zudem drängen zahlreiche Studenten aus der Agglomeration und Zürich selber auf den Markt, die vor Ende ihrer Ausbildung aus dem Elternhaus ausziehen wollen.

5000 Zimmer für 60 000 Studierende

Ähnlich düster sieht es der Verband der Studierenden an der Universität Zürich (VSUZH). «Wir schätzen die Wohnsituation der Studierenden in Zürich als sehr kritisch ein», sagt Tristan Jennings, Co-Präsident des VSUZH. Auf dem freien Markt hätten die Studierenden mit keinem oder einem geringen Einkommen kaum Chancen auf bezahlbaren Wohnraum. Sie seien daher auf subventionierte Wohnungen angewiesen. Da das Angebot beschränkt sei, müssten viele Studierende auf Randgebiete der Stadt oder die Agglomeration ausweichen.

Wie gross der Bedarf für die 60 000 Studierenden im Grossraum Zürich – 45 000 an Universität und ETH sowie 15 000 an den Fachhochschulen – überhaupt ist, kann niemand genau beziffern. Hingegen ist bekannt, dass in der Stadt Zürich momentan rund 4500 Wohnplätze für Studierende zur Verfügung stehen. Die grössten Anbieter sind die Studentische Wohngenossenschaft Zürich (Woko) und die Juwo, die aus dem Verein Jugendwohnnetz und der Stiftung für Jugendwohnhilfe besteht.

Die Woko verwaltet heute rund 2500 Zimmer für Studierende. Etwa 1500 dieser Zimmer befinden sich im Besitz der Stiftung für studentisches Wohnen Zürich (SSWZ). Die SSWZ ist auch Besitzerin des Studentenhauses Aspholz, das gestern offiziell eingeweiht wurde.

Woko-Geschäftsleiter Martin Stamm stellt ein ungebrochen hohes Interesse an günstigen Studentenzimmern fest. Immerhin seien sämtliche 332 Zimmer im Aspholz innert weniger Wochen vermietet gewesen.

Christian Portmann, Geschäftsführer der Juwo, spricht von «einer enormen Nachfrage nach günstigem Wohnraum für junge Leute». Auf der Warteliste der Juwo stehen mehr als 1000 Namen. Der Verein Jugendwohnnetz vermietet 781 Wohnungen mit gut 1800 Plätzen. Rund zehn Prozent der Mieter sind in Liegenschaften untergebracht, die der Stiftung selber gehören. Der Verein tritt als Mieter von zahlreichen Liegenschaften auf, die er weitervermietet. Es handelt sich häufig um Gebäude, die über kürzer oder länger saniert oder abgerissen werden.

900 Zimmer auf dem Hönggerberg

Neben Woko und Juwo gibt es eine ganze Reihe kleinerer Anbieter. Etwa das Maximilianeum, eine gemeinnützige Institution mit 135 Zimmern in drei Häusern.

Für eine gewisse Entspannung könnten Projekte sorgen, die momentan realisiert werden. Bis 2016 sollen auf dem Campus Hönggerberg der ETH 900 Zimmer für Studenten entstehen: 500 davon im Rahmen des Projektes Twist, das von der SSWZ und der ETH finanziert wird, weitere 400 (Projekt Living Science) über eine öffentlich-private Partnerschaft.

Bauherrin des 50-Millionen-Projektes ist die Luzerner Pensionskasse. 200 Studentenzimmer werden zudem bis 2016 auf dem Areal des ehemaligen Zollfreilagers in Zürich Albisrieden entstehen. Das ganze Areal, auf dem unter anderem 800 Mietwohnungen realisiert werden, umfasst gut 70 000 Quadratmeter.