«What comes after twenty nine?» - was kommt nach 29? – fragt die amerikanische Kindergärtnerin. Es dauert keine zwei Sekunden, da quietscht eine Vierjährige: «Thirty!» Was sich im Raum abspielt, heisst Vorkindergarten, eine Stufe zwischen Krippe und Kindergarten. Mal hört man Deutsch, mal Englisch, denn in «Kid’s Island» in Zürich Oerlikon werden konsequent beide Sprachen gesprochen, zumindest von den Kindern.

Auf die Idee einer bilingualen Betreuungsstätte mit Kindergarten kam die Leiterin Biljana Novak, weil sie und ihr Mann vor einigen Jahren ein solches Angebot in Zürich suchten. Zweisprachig sollte die Einrichtung sein, Ganztagesunterricht mit einem abwechslungsreichen Programm sollte sie bieten, und obendrein die Kinder gezielt fördern. Doch die junge Familie suchte vergeblich, also gründete sie einen Verein und eröffnete die Kindertagesstätte mit Kindergarten in Zürich Oerlikon.

Das war vor fünf Jahren. Mittlerweile ist Kid’s Island auf mehrere Räume angewachsen. Und nach den Sommerferien startet die erste bilinguale Primarschule im Nachbarquartier Seebach. Einige der Kinder aus der Kindergartengruppe werden dann an die Schule wechseln. Rund zwanzig Plätze möchte die Betreiberin füllen, aufgeteilt auf zwei Gruppen; erste und zweite sowie dritte und vierte Klasse. Erstmals macht Kid’s Island Werbung in der Stadt – bislang füllten sich die Plätze (und die Wartelisten) allein durch Empfehlungen von Eltern an andere Eltern.

Die Sprache ist keine Hürde

Es ist Mittwoch, Waldtag. Tags zuvor war Kunsttag, montags jeweils Yoga und Ballett. Jeder Tag hat seine Hauptaktivität. Das Wochenthema der Gruppe «Little Einsteins» sind Frühlingsfarben, das der «Little Stars» heisst Sensory Week, Woche der Wahrnehmungen. Der Stundenplan auf einem Flachbildschirm im Korridor ist ein buntes Gemisch aus Deutsch und Englisch. Das verwirrt vielleicht den Besucher, nicht aber die Kinder: «Für sie sind beide Sprachen normal. Mit den einen Lehrpersonen sprechen sie Englisch, mit den anderen Deutsch», sagt Leiterin Novak. «Hier sprechen allen Mitarbeitenden ihre jeweilige Muttersprache, für die Kinder ist das ganz normal.»

Nun sind die Buchstaben an der Reihe: «I’m very good», sagt ein selbstbewusster Dreikäsehoch, nachdem er an der Wand den Zettel gefunden hat, auf dem «Migros» steht. Noch vor einem halben Jahr sprach er als Neuling kein Wort Englisch. Seine Eltern sind Schweizer, andere Kinder sprechen zu Hause Englisch oder gar mehrere Sprachen. Ein Mädchen konnte nur Spanisch, als sie zum ersten Mal bei Kids’ Island auftauchte. Nun hat sie im Eiltempo Deutsch und Englisch gelernt. Wobei Schweizerdeutsch und Hochdeutsch praktisch gleichberechtigt sind. Verstehen tun eigentlich alle alles, manch ein Kind zieht jedoch das Hochdeutsche vor: «Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Schweizer», sagt ein kleiner Bursche in astreinem ARD-Nachrichtendeutsch. Und das Mädchen neben ihm bemerkt mit kritischem Unterton: «Er cha im Fall scho Schwiizerdüütsch», dann basteln beide an ihren Schmetterlingsarmbändern weiter.

In Zürich gibt es englische, französische, sogar eine japanische Schule. Aber mit der zweisprachigen Schule betreten Novak und ihr Team Neuland. Den Schulstoff richten sie nach der internationalen Matura aus, dem «International Baccalaureate», das mittlerweile auch an Schweizer Kantonsschulen in zweisprachigen Programmen zusätzlich zum hiesigen Abschluss erworben werden kann.

Schulwechsel immer möglich

Die Kinder, so das Ziel, sollen jederzeit an eine internationale Schule auf der ganzen Welt wechseln können, sollte die Familie beispielsweise umziehen. Doch die Durchlässigkeit muss auch gegenüber Schweizer Schulen funktionieren: «Wir wollen, dass die Kinder auch an eine öffentliche Schule in der Schweiz wechseln können», sagt Novak. In der sechsten Klasse sollen die Schüler zudem gezielt auf die Gymi-Aufnahmeprüfung vorbereitet werden.

Günstig ist der Besuch einer Privatschule nicht. Für fünf ganze Tage Kindergarten von Kid’s Island bezahlen Eltern derzeit 2050 Franken pro Monat, inklusive Essen und Ganztagesbetreuung mit nur 5 Wochen Betriebsferien. Die Krippenplätze sind etwas teurer, je nach Alter der Kinder. Die Primarschule Kid’s Island Bilingual School (KIBS) wird 2150 Franken pro Monat kosten, inklusive Betreuung vor und nach dem Unterricht, sowie während 8 Ferienwochen. Kein Wunder gehören die meisten Eltern zu den Besserverdienern. «Trotzdem sind wir preislich im unteren und mittleren Bereich», sagt Novak. Sie wolle zudem gute Löhne bezahlen, das sei ihr wichtig. Der Arbeitsmarkt für qualifiziertes Lehr- und Betreuungspersonnal ist eher auf der trockenen Seite.

Die Eltern sind dem Vernehmen nach sehr zufrieden mit dem Angebot. Einige Kinder sind schon seit Jahren dabei. Ein Knabe kam im Alter von drei Monaten in die Krippe, im August wird er zu den ersten im neuen Seebacher Campus gehören. «Wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen», erklärt eine Lehrerin. Auch ein Elternabend sei ein Anlass, bei dem alle mitmachen würden «Letztes Jahr war das ein Barbecue, ein anderes Mal haben wir zusammen mit den Eltern eine Schnitzeljagd gemacht», so Gioconda Barbato, die Schulleitungsassistentin.