Zürich
«Die personalisierte, zunehmend einseitige Unispital-Berichterstattung hat immer mehr irritiert» – Kantonsrats-Fraktionen kritisieren Tamedia

Die Zürcher Kantonsratsfraktionen haben in einer gemeinsamen Fraktionserklärung die Tamedia-Berichterstattung zu Vorkommnissen an Kliniken des Zürcher Unispitals (USZ) kritisiert.

Merken
Drucken
Teilen
Die unterzeichnenden Fraktionen werfen die Frage auf, ob der journalistischen Sorgfaltspflicht bei Tamedia in allen relevanten Bereichen Genüge getan wurde.

Die unterzeichnenden Fraktionen werfen die Frage auf, ob der journalistischen Sorgfaltspflicht bei Tamedia in allen relevanten Bereichen Genüge getan wurde.

Christian Beutler / Keystone

(sda) Die Zürcher Kantonsratsfraktionen der SVP/EDU, SP, FDP, GLP und Grüne haben in einer gemeinsamen Fraktionserklärung die Tamedia-Berichterstattung zu Vorkommnissen an Kliniken des Zürcher Unispitals (USZ) kritisiert. Diese sei einseitig erfolgt.

In der an der Kantonsratssitzung vom Montag vorgetragenen Erklärung übten die Parteien teils harsche Kritik an der Berichterstattung von Tamedia-Zeitungen zu Missständen am Zürcher Unispital. Im Frühling 2020 waren solche an mehreren USZ-Kliniken ans Licht gekommen. Am meisten Aufmerksamkeit erregten Vorgänge an der Klinik für Herzchirurgie.

Die Veröffentlichung der Missstände sei zwar wichtig, heisst es in der Fraktionserklärung. Aber: «Mehr und mehr aber hat die personalisierte, zunehmend einseitige Berichterstattung irritiert.» Dazu sei den Erkenntnissen des Untersuchungsberichts, der am vergangenen Donnerstag vorgestellt worden war, deutlich weniger Platz eingeräumt worden, als der Verteidigung der eigenen Thesen.

Die unterzeichnenden Fraktionen werfen die Frage auf, ob der journalistischen Sorgfaltspflicht in allen relevanten Bereichen Genüge getan wurde.

Streit um Nennung des Informanten

Der «Tages-Anzeiger» kritisierte vergangene Woche in seiner Berichterstattung zum Untersuchungsbericht der Kommission unter anderem, dass der Informant in der Herzchirurgie-Affäre namentlich genannt werde. Diesen Vorwurf wies die Kommission bereits bei der Präsentation ihres Berichts zurück.

In der Fraktionserklärung wird darauf hingewiesen, dass der Informant, selber ebenfalls Herzchirurg, sich in einem Fernsehinterview leicht erkennbar präsentiert habe. Zudem sei sein Name bereits in mehreren national bekannten Medien genannt worden.

Namensnennung könnte einschüchtern

Arthur Rutishauser, Chefredaktor bei Tamedia und der «SonntagsZeitung», hält an der Kritik fest. «Für Tamedia ist der Schutz von Whistleblowern ein zentrales Anliegen», teilte er am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Wenn ein politisches Gremium einen Hinweisgeber namentlich nenne, könne das andere einschüchtern, erklärte Rutishauser weiter.

Erst die Hinweise des Enthüllers und die folgende Berichterstattung unter anderem von Tamedia hätten zur wichtigen Untersuchung geführt, die zahlreiche Missstände am USZ zeigten, die nun behoben werden sollen, schrieb Rutishauser.