Zürich
Ausnüchtern unter Aufsicht der Stadt: Das umstrittene «Hotel Suff» soll seine Kosten weiter senken

Der Betrieb der Ausnüchterungsstelle in der Wache Urania kostet pro Jahr rund eine Million Franken. Oft bleiben die Zellen aber leer und die Betreuer sitzen vergeblich dort. Bereits im Oktober 2019 schränkte das «Hotel Suff» die Betriebszeiten deswegen ein. Nun sollen die Ausgaben weiter gesenkt werden.

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Eröffnet wurde die Zentrale Ausnüchterungs- und Beratungsstelle (ZAB) im Jahr 2010 als schweizweit einmaliger Pilotbetrieb, als Reaktion auf überlastete Notaufnahmen in Spitälern. Nach der deutlichen Annahme der Abstimmung im Jahr 2014 ist sie nun seit 2015 definitiv im Betrieb.

Eröffnet wurde die Zentrale Ausnüchterungs- und Beratungsstelle (ZAB) im Jahr 2010 als schweizweit einmaliger Pilotbetrieb, als Reaktion auf überlastete Notaufnahmen in Spitälern. Nach der deutlichen Annahme der Abstimmung im Jahr 2014 ist sie nun seit 2015 definitiv im Betrieb.

Symbolbild: iStock

(sda) Das Ausnüchtern unter städtischer Aufsicht soll weniger kosten: Die Zentrale Ausnüchterungs- und Beratungsstelle (ZAB), auch «Hotel Suff» genannt, soll die Ausgaben weiter senken. Dies hat der Zürcher Gemeinderat am Mittwoch entschieden.

Mit 61 zu 58 Stimmen überwies das Parlament ein Postulat von FDP, SVP, Grünen und AL, das vom Stadtrat eine weitere Kostensenkung verlangt. Diese Allianz hatte anfangs eigentlich verlangt, die ZAB unter der Woche zu schliessen. Einzelne Fraktionen schwenkten dann aber um und beschränkten sich auf einen Kostensenkungs-Auftrag.

Die zuständige Stadträtin Karin Rykart (Grüne) nahm dies erleichtert zur Kenntnis und versprach, die Kosten zu prüfen und wo immer möglich zu senken. Das wichtigste sei, dass die Betriebszeiten nicht weiter eingeschränkt würden. Der 7-Tage-Betrieb sei notwendig, um die Polizei und die Notaufnahmen der Spitäler zu entlasten.

Betriebszeiten wurden bereits verkürzt

Bereits im Oktober 2019 schränkte das «Hotel Suff» die Betriebszeiten ein, weil es zu wenig stark ausgelastet war. Seither ist es nicht mehr bis am Mittag offen, sondern nur noch bis 7 Uhr Morgens. Danach übernimmt bis 22 Uhr am Abend ein Pikettdienst.

Durch diese Verkürzung der Betriebszeiten können nun bereits 200'000 Franken pro Jahr gespart werden. Der Betrieb der Ausnüchterungsstelle in der Wache Urania kostet pro Jahr rund eine Million Franken. Oft bleiben die Zellen aber leer und die Betreuer sitzen vergeblich dort.

An Montagen kommen im Schnitt nur 1,1 Betrunkene in die ZAB, an Samstagen und Sonntagen sind es immerhin je 3,6 Personen, die hier unter Aufsicht ihren Rausch ausschlafen. Sind sie wieder einigermassen auf den Beinen, werden sie nach Hause geschickt - in einem diskreten, unifarbenen Trainingsanzug, falls ihre eigenen Kleider voller Erbrochenem sind. Ein Aufenthalt von bis zu drei Stunden kostet 450 Franken, über sechs Stunden kosten 600 Franken.

Eröffnet wurde die ZAB im Jahr 2010 als schweizweit einmaliger Pilotbetrieb, als Reaktion auf überlastete Notaufnahmen in Spitälern. Im November 2014 sagten die Stadtzürcher Stimmberechtigten deutlich Ja zur definitiven Einführung dieser Ausnüchterungs-Stelle. Seit 2015 ist sie nun definitiv im Betrieb.