Zürich
Ausflugslokal: Das Teehüsli auf dem Üetliberg erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Auf Zürichs Hausberg kommt neues Leben in ein traditionsreiches Ausflugslokal: Das Teehüsli Hohenstein nimmt den Betrieb wieder auf. Dahinter steckt viel Freiwilligenarbeit. Wer will, kann sich daran beteiligen.

Matthias Scharrer
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Der Verein Teehüsli Hohenstein renovierte das jahrelang unbenutzte Teehüsli am Üetliberg Ende August 2021.

Der Verein Teehüsli Hohenstein renovierte das jahrelang unbenutzte Teehüsli am Üetliberg Ende August 2021.

Nico Groth/zvg

Üetliberg-Besucherinnen und -Besucher haben jetzt beim Hohenstein-Spielplatz ganz neue Aussichten: Nicht nur hat der Sturm «Bernd» Bäume umgeknickt, sodass der Blick über Zürich jetzt unverstellter ist. Auch hat der Verein Teehüsli Hohenstein das kleine Ausflugslokal am Rande des Platzes renoviert. Dieses Wochenende wird das Teehüsli wieder eröffnet.

Jahrelang war es leer gestanden. Dabei hat das Ausflugslokal schon über ein Jahrhundert auf dem Buckel: 1909 hatte der Verein abstinenter Arbeiter Zürich den Vorläuferbau als alkoholfreie Waldschenke eröffnet, damals noch direkt auf dem Hohenstein-Grat.

Die 1909 eröffnete Waldschenke Hohenstein war der Vorläufer des heutigen Teehüsli Hohenstein am Üetliberg.

Die 1909 eröffnete Waldschenke Hohenstein war der Vorläufer des heutigen Teehüsli Hohenstein am Üetliberg.

Baugeschichtliches Archiv Zürich

1933 übernahm die Organisation Naturfreunde den kurz zuvor erstellten Neubau am heutigen Standort. Gut achtzig Jahre später war dann vorerst Schluss: Es fehlte an Vereinsmitgliedern, um das Ausflugslokal weiter zu betreiben.

Ein Ort, an dem man sich von der Stadt erholen kann

Doch der neugegründete Verein Teehüsli Hohenstein nahm sich der Sache an und plante einen Neustart. Vereinspräsident Joel Flückiger, von Beruf Architekt, hatte bei einem Spaziergang Gefallen an dem Häuschen auf Zürichs Hausberg gefunden. «Es ist ein schöner Ort, wo man sich von der Stadt erholen kann», sagt der gebürtige Solothurner. Von der Üetliberg-Bahnstation Ringlikon aus ist man zu Fuss innert weniger Minuten via Mammutbaum-Allee dort.

Flückiger war einst zum Studium nach Zürich gekommen – und geblieben. Praktisch alle Gründungsmitglieder des Vereins Teehüsli Hohenstein seien Zugewanderte, die in Zürich Wurzeln schlugen, erzählt der 33-Jährige. Sie kamen auch aus Wien, Glarus und Konstanz.

Ende August packten gut 30 Vereinsmitglieder an, um das in die Jahre gekommene Haus zu erneuern. Sie entstaubten und entrümpelten es, schliffen es ab und verpassten ihm einen frischen, lindgrünen Anstrich, alles in ehrenamtlicher Arbeit. Was sie nicht selber leisten konnten, übernahm die Stadt Zürich, der das Haus gehört und die es nun dem Verein Teehüsli Hohenstein verpachtet.

Die Gäste können kommen: Am Samstag, 9. Oktober, wird das Teehüsli neu eröffnet. Danach hat es jeweils sonntags offen.

Die Gäste können kommen: Am Samstag, 9. Oktober, wird das Teehüsli neu eröffnet. Danach hat es jeweils sonntags offen.

Nico Groth/Zvg

Auch der künftige Betrieb beruht auf ehrenamtlicher Freiwilligenarbeit, wie Flückiger erklärt. Nach dem Eröffnungswochenende, an dem das Teehüsli am Samstag und Sonntag ab 10 Uhr geöffnet ist, sei vorerst nur Sonntagsbetrieb vorgesehen. Doch falls sich noch genug neue Vereinsmitglieder melden (hallo@teehuesli.ch), kann sich Flückiger gut vorstellen, die Öffnungszeiten auf mehrere Wochentage auszudehnen.

Wer die eigene Tasse mitbringt, bezahlt weniger

Im Angebot sind erlesene Teesorten, Sirup, Apfelpunsch und Kaffee. Zudem bringen die Betreiber Leckereien ihrer Wahl zum Verkauf mit. So gebe es am Eröffnungswochenende Zimtschnecken, verrät Flückiger.

Auch die Coronapandemie hat ihren Einfluss auf das Angebot: Wer seine eigene Teetasse mitbringt, bezahlt 50 Rappen weniger für den Tee. «Ansonsten müssen wir Pappbecher ausgeben», sagt Flückiger. Der Grund: Das Haus ist weder ans Wasser- noch ans Stromleitungsnetz angeschlossen, was das Abwaschen erschwert. Das Wasser stammt vom nahen Brunnen, der Strom von einer kleinen Solaranlage auf dem Dach. «Wir suchen noch jemanden, der eine grössere Solaranlage installieren kann», sagt Flückiger, der den Betrieb möglichst nachhaltig gestalten will.

In einem Punkt bleibt das Teehüsli freilich ganz seinen Anfängen verpflichtet: Alkohol wird dort weiterhin nicht ausgeschenkt.

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