Der Stadtrat hatte festgestellt, dass aufgrund technischer Anpassungen 120 000 Franken für das umstrittene Hafenkran-Projekt fehlten. «Das wäre sein sicherer Tod gewesen», sagte Waser gestern. Die Macher des Kunstprojekts «Zürich Transit Maritim», in dessen Zentrum die Errichtung eines ausgedienten Hafenkrans am Limmatufer steht, hatten ins Clublokal des Limmatclubs geladen.

«Wer hat schon so eine tolle Frau?»

Dass er sich bereits in den Kran verliebt hatte, so Waser weiter, führte ihn zum kurz entschlossenen SMS. Die Antwort seiner Frau folgte eine Minute später: «Eigentlich haben wir genügend Geld, und wir können es ja nicht in den Himmel nehmen. Von mir aus ist das o. k.» Der Stadtrat sei begeistert, simste Waser zurück. «Wer hat schon so eine tolle Frau?», rundete der sonst nüchterne Pragmatiker, der diesen Frühling aus dem Stadtrat zurücktritt, seine Erzählung ab.

Ging das Tiefbauamt früher von einer finanziellen Obergrenze für das Hafenkran-Projekt von 600 000 Franken aus, rechnet es heute mit 680 000 Franken. Den grössten Brocken macht davon der Wettbewerb mit 100 000 Franken aus. Der Fehlbetrag, von dem Waser ursprünglich ausging, ist auf 80 000 Franken geschrumpft. Die Transport- und Logistikfirma Euroports überlässt Zürich den ausrangierten Hafenkran im Übrigen gratis.

Die Charmeoffensive, die die Hafenkran-Initianten gestern inszenierten, ist dennoch nötig. Denn ihnen blies bisher ein steifer Wind entgegen. Mit dem «Rosthaufen» würden nur Steuergelder verschleudert. SVP, junge SVP und Jungliberale sammelten in nur drei Wochen mehr als 6000 Unterschriften für eine Volksinitiative. Mittels Änderung in der städtischen Bau- und Zonenordnung will sie das Aufstellen von Hafenkränen, Pollern und Schiffshörnern in der Kernzone verbieten. Der Stadtrat anerkannte das Begehren im letzten Moment für gültig. Es konnte den Kran allerdings nicht mehr verhindern, die Baubewilligung lag bereits vor. Nun erarbeitet die Stadt einen Gegenvorschlag und verschafft sich so weitere sieben Monate Zeit. Die Vorlage kommt frühestens im November vors Volk. Zu diesem Zeitpunkt wird der Hafenkran längstens stehen. Im März beginnen die Vorbereitungsarbeiten für die sechs Monate dauernde Aktion.

«Die Zürcher Zunftmeister begrüssen es, wenn der Hafenkran am Sechseläuten vom 28. April paratsteht», behauptete Jan Morgenthaler, einer der vier Künstler hinter dem Projekt.

Tatsächlich hat die Künstlergruppe auch bis anhin kritische Geister ins Boot geholt: Rechtsanwalt Florian von Meiss, von der Gesellschaft zum Schneggen, sollte «den Unfug» ursprünglich «bodigen». Der Kran wird seinen mächtigen Schatten auf das Haus der privaten Gesellschaft werfen, die vornehmen Zürcher Familien vorbehalten ist. Der Segler und Enkel einer Rotterdamerin liess sich jedoch von Morgenthaler umstimmen. «Fortan versuchte ich, im Vorstand ein gewisses Wohlwollen gegenüber dem Projekt zu wecken.»

Auch der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat stehe hinter dem Projekt, sagte dessen Präsident Peter Rothenhäusler. Weiter werben alt Stadtpräsident Elmar Ledergerber, Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist oder Publizist Frank A. Meyer für den Kran.

Unverdrossen siegessicher

Die Kritiker beeindruckt dies nicht. Sie geben sich unverdrossen kampfeslustig. «Vor dem Volk wäre der Kran nie durchgekommen», sagt SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Er ist sich «ziemlich sicher», dass sie die Abstimmung auch im November noch gewinnen.