Zürich
14'911 Unfälle im letzten Jahr – Velos und E-Bikes sind die Sorgenkinder der Polizei

Im Vergleich zu vorherigen Jahren sind auf den Zürcher Strassen sieben Prozent weniger Unfälle passiert. Die Zahl der Schwerverletzten und Toten stieg jedoch. Der Boom von Velos, E-Bikes und Motorrädern führte dazu, dass auch im letzten Jahr durchschnittlich mehr Zweiradfahrer verunglückten.

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Es gibt immer mehr Zweirad-Unfälle.

Es gibt immer mehr Zweirad-Unfälle.

Bildmontage: key/az

(sda) Auf den Strassen des Kantons Zürich kam es 2020 insgesamt zu weniger Unfällen als im Durchschnitt der fünf vorherigen Jahre. Bauchschmerzen bereitet der Polizei allerdings die Zunahme an Unfällen mit Verletzten, die vor allem Zweiradfahrende betrifft.

Auf den Strassen im Kanton Zürich haben sich im vergangenen Jahr 14'911 Unfälle ereignet. Das sind rund sieben Prozent weniger als im Durchschnitt der fünf vorherigen Jahre, wie die Kantonspolizei Zürich und die Stadtpolizeien Zürich und Winterthur am Mittwoch mitteilten. Die Zahl der Unfälle, bei denen es nur zu Sachschaden gekommen ist, ging sogar um zehn Prozent zurück.

Zugenommen haben hingegen Unfälle, bei denen Personen verletzt worden sind. So stieg die Zahl der Schwerverletzten von 582 auf 591, die der Toten von 25 auf 30.

Insgesamt waren vor allem sogenannte «ungeschützte» Verkehrsteilnehmende davon betroffen, also Fussgängerinnen und Fussgänger und Zweiradfahrende. Rund 85 Prozent aller Schwerverletzten oder Getöteten gehörten zu dieser Kategorie. Ohne Fussgänger sind es 70 Prozent. Einerseits liegt das daran, dass Autos immer sicherer werden. Andererseits spielt der E-Bike-Trend eine Rolle.

Velounfälle steigen achtes Jahr in Folge

Das zeigt ein Blick auf die Unfallstatistik der Stadt Zürich. Bei vier der fünf tödlichen Unfälle im letzten Jahr handelte es sich um Velofahrende. Der Veloverkehr sei seit vielen Jahren das «Sorgenkind» der Stadt, sagte Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit der Stadt Zürich vor den Medien. So stieg die Zahl der Velounfälle das achte Jahr in Folge an, trotz des Corona-bedingten Lockdowns.

2020 verzeichnete das Stadtgebiet im Vergleich zum Vorjahr 51 Fahrradunfälle mehr, 16 davon mit einem E-Bike. Mit einer Ausnahme handelte es sich dabei um schnelle E-Bikes, die bis 45 km/h fahren können. Auch die Unfälle mit E-Trottis haben in der Stadt Zürich zugenommen.

In Winterthur zeigte sich bei den Zweiradfahrenden ein ähnliches Bild wie in Zürich und auf Kantonsebene, wie es am Mittwoch hiess. Rund drei Viertel der Schwerverletzten bei Unfällen waren mit Velo, E-Bike oder Töff unterwegs. Dabei stiegen vor allem die E-Bike-Unfälle stark an, wobei Selbstunfälle die Hauptursachen waren. Immerhin: Die meisten Verunfallten verletzten sich nur leicht.

Töfffahrer werden im Auge behalten

Die Polizeien der Städte und des Kantons intensivieren künftig ihre Präventionskampagnen, die auf Velo- und E-Bike-Fahrende abzielen. So soll beispielsweise daran erinnert werden, dass E-Bikes schwerer sind und damit einen längeren Bremsweg aufweisen.

Besonders beobachten wird die Polizei die Entwicklung bei den Motorrädern. Denn viele Töfffahrerinnen und Töfffahrer hatten sich noch letztes Jahr extra die Fahrerlaubnis besorgt, da es dieses Jahr zu einer Anpassung an EU-Recht gekommen ist und kein unbeschränkter Kategorienzugang mehr besteht.

Diese Neulenker werden im Frühling über die Strassen brausen - und gelten als besonders unfallgefährdet, wie Frank Schwammberger, Chef der kantonalen Verkehrspolizei, sagte. Ein Viertel der schweren Töffunfälle passieren im ersten Fahr-Jahr. «Das ist eine spezielle Situation, die wir im Auge behalten müssen.»