Die Zeichen stehen auf «konjunktureller Verschlechterung», sagte gestern Bruno Sauter, der Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit. «Die Frankenaufwertung hinterlässt allmählich Spuren in der Zürcher Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt.»

Die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich lag Ende Juni bei 3,4 Prozent. Im Vergleich zum Mai ist sie damit unverändert geblieben. In absoluten Zahlen sind nun 26 739 Personen bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren arbeitslos gemeldet. Das sind nur 76 weniger als im Vormonat. Laut Sauter ein schlechtes Zeichen: «Um diese Jahreszeit sinken die Zahlen in der Regel stärker.»

Die Aussichten sind laut Bruno Sauter denn auch getrübt: Es stehe eine konjunkturelle Durststrecke bevor. «Im weiteren Jahresverlauf ist mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen.» Zudem bestünden derzeit «extrem grosse Risiken». So wird der starke Franken weiterhin seinen Einfluss haben. Zudem stellt für Sauter auch die weitere Entwicklung der Konjunktur in der EU, des Haupthandelspartners, ein grosses Fragezeichen dar. «Sollte ein Land aus dem Euro austreten, werden wir das spüren.»

Rezession nicht ausgeschlossen

Wegen diesen grossen Unsicherheiten kann laut dem aktuellen Zürcher Wirtschaftsmonitoring «ein Rückfall des Kantons Zürich in eine länger andauernde Rezession nach wie vor nicht gänzlich ausgeschlossen werden». Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit geht derzeit aber nicht davon aus – und gibt eine Art «Durchhalteparole» heraus. So würden zwar «kaum positive Beschäftigungsimpulse erwartet», wie Sauter gestern ausführte. «Aber der Kanton Zürich scheint mit einem blauen Auge davonzukommen.»

Denn die exportorientierte Industrie, die unter der Frankenstärke besonders stark leidet, spielt im Kanton eine eher untergeordnete Rolle. Und der Finanzsektor, dem in Zürich traditionell eine wichtige Funktion zukommt, erweist sich derzeit als sehr stabil.

«Trotz der Belastung durch die Negativzinsen bleibt die Einschätzung der Geschäftslage im Bankensektor ausgezeichnet», heisst es dazu im Zürcher Wirtschaftsmonitoring. Dazu tragen insbesondere die inländischen Kunden bei – und dank diesem «nach wir vor boomenden Privatkundengeschäft dürfte die für Zürich wichtige Bankbranche auch im weiteren Jahresverlauf zu den Konjunkturstützen zählen.»

Die meisten sind pessimistisch

Trotz dieser Stütze: Die Unsicherheiten bleiben. Laut Bruno Sauter geben sich unter anderem das Gastgewerbe, der Grosshandel und die Industrie wegen der Frankenstärke pessimistisch. In den Branchen Bau, Industrie, Handel und Verkauf gibt es mehr Arbeitslose. Und auch in den Temporärbranchen werden nun mehr Arbeitslose als in den Vorjahren verzeichnet, was auf eine leicht schwächere konjunkturelle Lage hindeuten könne, sagte Sauter.

Eine weitere statistische Auffälligkeit in den aktuellen Zahlen ist, dass sich deutlich mehr Jugendliche bei den Arbeitsvermittlungszentren angemeldet haben als üblich. «Mit 1015 gemeldeten 15- bis 19-Jährigen ist das Niveau in diesem Jahr eher hoch», heisst es in einer Mitteilung des Amtes. Weshalb, das ist unklar: «Ob es sich dabei um einen tatsächlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen handelt oder um ein verändertes Meldeverhalten, ist im Moment noch nicht ersichtlich.»