Die Zürcher Stimmberechtigten haben sich schon mehrfach für den Ausbau der Radwege ausgesprochen. Der Verein Pro Velo Zürich hat nun die Infrastruktur in der Stadt unter die Lupe genommen. Das Fazit fällt ernüchternd aus. Von 26 geplanten Verbesserungsmassnahmen, die der Stadtrat im Dezember 2013 präsentierte, wurden bis Ende Januar 2018 nur gerade vier realisiert. 

Davon haben aus Sicht des Vereins aber nur zwei Verbesserungen gebracht: die neue Veloverbindung am Central und der Veloweg im Seilergraben. Als positive Veränderung wertet Pro Velo Zürich die Einführung von Tempo 30 an der Löwenstrasse, die Einfärbung des Velowegs an der Leonhardstrasse und der neue Radstreifen am Bellevue. Gewichtige Probleme seien dabei aber weiterhin vorhanden. An der Löwenstrasse seien jedoch weiterhin die ein- und ausparkierenden Autos das Hauptproblem und an der Leonhardstrasse sei der Veloweg nur bergwärts markiert.

Mehr Engagement erwartet

Vier Projekte an der Kasernenstrasse beim Hauptbahnhof und am Seebecken wurden von Pro Velo als "halbwegs brauchbare Pläne" betitelt. Beim Grossteil der übrigen Projekte lägen noch nicht einmal konkrete Pläne vor. Zudem sei auch keines der vier realisierten Massnahmen innerhalb des angekündigten Zeitraumes umgesetzt worden, wie der Verein in einer Mitteilung schreibt. "Bei einem strategischen Schwerpunkt des Stadtrats sollte man deutlich mehr Engagement erwarten können."

In vielen Fällen habe sich der Realisierungszeitraum der Projekte aufgrund von Einsprachen, Budget- oder Rechtsmittelverfahren und politischen Entscheiden erheblich nach hinten verschoben, wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, gegenüber dem "Tages-Anzeiger" sagt. "Da die Umsetzung von Strassenbauprojekten von einer Vielzahl Faktoren abhängig ist, arbeitet das Tiefbauamt mit Realisierungszeiträumen anstelle von konkreten Daten."

Bei Pro Velo ist man mit dieser Antwort nicht zufrieden. Wenn ein Zeitraum bekannt gegeben werde, dann wecke man damit Erwartungen. "Werden diese nicht erfüllt, sind die Velofahrer enttäuscht."