Ohne EU-Förderung sei es für europäische Studenten derzeit «weniger attraktiv, in die Schweiz zu kommen», erklärte Hengartner anlässlich einer Medienkonferenz einen Monat nach seinem Amtsantritt. Da die Austauschprogramme reziprok sind, könnten dann auch keine Schweizer Studenten an diese Universitäten gehen.

Damit der Studentenaustausch im Herbst 2014 stattfinden kann, müssten jetzt rasch neue Verträge mit zahlreichen Universitäten ausgehandelt werden. Da die Schweiz künftig nicht nur Schweizer Studenten im Ausland, sondern auch europäische, die in die Schweiz kommen, fördern muss, würden die Kosten steigen.

Da gleichzeitig administrativer Aufwand eingespart würde, bliebe dies jedoch in einem verkraftbaren Rahmen, sagte der 47-jährige Molekularbiologe.

Imageschaden

Wichtiger als der finanzielle sei der Imageschaden, den die Schweiz durch den Ausschluss aus den europäischen Austausch- und Forschungsprogrammen erfährt.

Am härtesten treffe die Schweizer Universitäten der Wegfall der Stipendien des europäischen Forschungsrates (ERC). Sie fördern einzelne Forscher mit bis zu zwei Millionen Euro und werden in einem kompetitiven Verfahren vergeben. Als Drittstaat darf sich die Schweiz nicht mehr bewerben. «Es gibt keine Alternative für diese Exzellenz-Währung», sagte Hengartner. «Das ist ein Loch bei den Besten.»

Auch die wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit der Schweiz könnte ins Gewicht fallen, wenn sich Spitzenforscher zwischen einer Schweizer oder einer ausländischen Universität entscheiden müssen. So etwas sei allerdings nur einer von vielen persönlichen Entscheidungsfaktoren.

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Die hohe Zahl von ausländischen Studenten und Professoren an Schweizer Universitäten sei kein Problem, sondern eine Stärke, von der das Land profitiert, betonte Hengartner. «Internationalität bringt enorm viel Qualität». Ihr verdanke die Schweiz ihren Spitzenplatz in der Wissenschaft.

Hengartner gehört denn auch zu den 400 Erstunterzeichnern eines am Dienstag veröffentlichten «Appells für einen offenen europäischen Hochschulraum», den der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) initiiert hatte.

Hengartner schliesst nicht aus, dass sich die Universitäten in ähnlichen Situationen in Zukunft stärker in den Wahlkampf einmischen werden. «Man kann sich vorstellen, dass die Hochschulen künftig aus dem Elfenbeinturm heraustreten.» Alle betroffenen Kreise sollten ihre Meinung in den politischen Prozess einbringen dürfen.

Michael Hengartner hat sein Amt bereits am 1. Februar angetreten, da sein Vorgänger Andreas Fischer im Zuge der «Affäre Mörgeli» im November vorzeitig zurückgetreten war. In der Zwischenzeit hatte Prorektor Otfried Jarren die Rektoratsgeschäfte ad interim geführt.