Am Montag beginnt der Abbau des Hafenkrans. Das Objekt stand die letzten neun Monate prominent neben der Zürcher Rathausbrücke am Limmatquai. Viele konnten mit dem «Rosthaufen» nichts anfangen, manche freuten sich über das ungewöhnliche Projekt. In der Helferei zogen gestern acht Fachleute und Politiker vor gut 100 Zuhörern Bilanz.

Als einziger Hafenkran-Kritiker auf dem Podium erhielt SVP-Gemeinderat Mauro Tuena von Gesprächsleiter und Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) als Erster das Wort. Der SVP-Politiker versteifte sich auf die Finanzierung. Diese Frage – es ging um 600 000 Franken – sei nicht korrekt gelöst worden, sagte er. Immerhin habe der Gemeinderat den Posten 2009 aus dem Budget gestrichen. «Das Stimmvolk, das die Kosten übernehmen muss, wurde nicht befragt», kritisierte Tuena. Der Kran selber habe nichts gebracht, die Diskussion dagegen schon. «Der Stadtrat würde ein solches Projekt heute nicht mehr bringen.»

Heftige Emotionen

Weitaus positiver beurteilten die übrigen Gesprächsteilnehmer die Wirkung des Projektes. «Der Hafenkran hat Identität gestiftet, positive und negative», hob SP-Gemeinderätin Min Li Marti hervor. Christoph Doswald, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum, sagte, er könne sich nicht erinnern, dass in Zürich je eine so engagierte und intensive Diskussion über Kunst und Kultur geführt worden sei. Jan Morgenthaler, Macher des Hafenkrans, sagte, die Heftigkeit der Emotionen habe ihn überrascht. Peter Haerle, Direktor Kultur der Stadt Zürich, wehrte sich dagegen, der Kran habe «lediglich Diskussionen ausgelöst». «Die Diskussion an sich ist ein Wert», sagte er. Und der Direktor von Zürich Tourismus, Martin Sturzenegger, hielt fest, in den letzten fünf bis sieben Jahren habe keine Schweizer Kunstaktion international ein derartiges Echo ausgelöst.

Mehr Mut für die Zukunft

Den Lacher des Abends erntete Morgenthaler. Er attestierte Tuena, dieser sei mit dem Hafenkranprojekt selber zum Kunstwerk geworden. Innerhalb der acht Jahre, in denen sich Morgenthaler mit dem Hafenkran befasste, hätten sämtliche Politiker und Verwaltungsmitarbeiter gewechselt. «Einzig Mauro Tuena und die SVP haben uns die ganze Zeit begleitet. In ihrer Kritik waren sie sehr verlässlich.» Ihm gebühre deshalb sein Dank. «Jetzt schnürt es mir dann wirklich die Luft ab», blieb Tuena da nur noch zu sagen.

Für die Zukunft wünschten sich verschiedene Podiumsteilnehmer mehr Mut von der Stadt Zürich. Laut Tourismus-Direktor Sturzenegger verkauft sich die Stadt «weit unter Wert». Basel sei den Zürchern in dieser Hinsicht voraus. Für nächstes Jahr erwarte er von Zürich im Rahmen von 100 Jahre Dadaismus viel – die Kunstrichtung wurde in Zürich begründet.

Maruo Tuena blieb sich selber treu und verlangte für die Zukunft korrekte Budgetprozesse. Min Li Marti brach eine Lanze für die Hässlichkeit: «Nicht jeder Platz und jedes Quartier muss aufgewertet werden. Kunst entsteht auch in Nischen.»