Gehört man mit 50 Jahren auf dem Arbeitsmarkt zum alten Eisen? Diese Frage dürften sich besonders jene Arbeitskräfte stellen, die in der Finanz- und Versicherungsbranche oder im Bau- und Gastgewerbe tätig sind.

Denn die jüngste Studie des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich zeigt: In diesen Branchen sind Arbeitskräfte über 50 deutlich länger arbeitslos als junge Erwerbstätige oder gleichaltrige Arbeitskräfte in anderen Branchen.

Häufig melden sich als arbeitslos registrierte 50 plus von der Arbeitslosenstelle ab – und zwar ohne Job. Der nächste Schritt ist die Registrierung bei der Sozialhilfe. Noch öfters aber befinden sie sich in einer Umschulung, Weiterbildung oder einem Zwischenverdienst. Und damit fallen sie nicht in die Arbeitslosenstatistik. Sie sind in Zürich als «nichtarbeitslos registrierte Personen auf Stellensuche» gemeldet.


Dass die Umschulung oder Weiterbildung nicht erst bei der Kündigung ein Thema wird, dafür gäbe es Abhilfe. Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktexperte der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, sagt: «Karriereplanung für Berufseinsteiger gibt es zuhauf. Was uns fehlt, ist eine Karriereplanung für das letzte Drittel der Arbeitskarriere.» Es sei wichtig, dass man sich die Frage stelle, ob es den Beruf, den man gerade ausübt, in 10 oder 15 Jahren so noch gebe. Und ob es realistisch sei, dass die eigenen Fähigkeiten den Anforderungen mit Mitte 50 noch genügen werden.


Frühe Weiterbildung sichert ab


Auffallend oft sind wohl gerade deshalb Arbeitskräfte über 50 von einer vergleichsweise längeren Arbeitslosigkeit betroffen, die sich in schnell verändernden Branchen bewegen. So befinden sich die Finanz-, Versicherungs- und Informatikbranche in laufenden Umstrukturierungen – besonders wegen des technischen Wandels. Anders sieht diese Entwicklung nämlich in den Bereichen Erziehung, Unterricht oder der öffentlichen Verwaltung aus.

Siegenthaler sagt dazu: «Das Umfeld und die Anforderungen verändern sich in der Verwaltung langsamer. Dadurch laufen ältere Arbeitnehmer weniger Gefahr, sich im Alter umorientieren zu müssen.» Ganz grundsätzlich haben ältere Arbeitnehmer eine abnehmende Produktivität oder aber scheiden wegen körperlicher und gesundheitlicher Probleme aus dem Arbeitsmarkt aus.

Dies erklärt die längere Arbeitslosigkeit gerade im Gast- und Baugewerbe. Deshalb würden gewisse Arbeitskräfte teilweise freiwillig den Rückzug aus dem Arbeitsmarkt antreten oder eine Umschulung anstreben. Die Autoren der Studie des Amtes für Wirtschaft und Arbeit legen das Augenmerk aber auf einen weiteren Punkt: Sie schliessen «alterspezifische Diskriminierung» in den Branchen Finanzen und Versicherungen nicht aus. Doch was heisst das?


In diesen Wirtschaftszweigen sind gemäss der Erhebung die Einstellungsraten von älteren Personen im Verhältnis zu den Einstellungsraten von Jüngeren sehr gering. «Es ist nun mal so, dass sich die Arbeitskräfte ab 40 nicht mehr weiterbilden», sagt Siegenthaler weiter. Was auch meist kein Problem sei, sondern nur dann, wenn man eine neue Stelle finden müsse.

Unternehmen haben einen Anreiz, die einfachere und günstigere Variante bei der Einstellung von Arbeitskräften zu wählen. Dennoch: «Bildung zur Selbstbildung ist ein gesellschaftlicher und damit staatlicher Auftrag», so Siegenthaler.