Noch nie sind im Kanton Zürich so wenige Menschen im Strassenverkehr ums Leben gekommen, wie letztes Jahr. Insgesamt nahm die Verkehrssicherheit zu - trotz immer dichterer Bevölkerung und immer mehr Fahrzeugen. Die Kantonspolizei präsentierte am Dienstag die Verkehrsunfallstatistik (VUSTA) 2014.

Insgesamt registrierte die Polizei im ganzen Kanton 13'066 Unfälle. Dies waren 529 oder 4 Prozent weniger als im Mittel der vorangehenden fünf Jahre 2009-2013.

Bei 10'022 Unfällen blieb es bei Sachschaden (-5 Prozent), bei 3044 (+1 Prozent) kamen Menschen zu Schaden. Verletzt wurden 3521 Personen, 9 weniger als im Fünfjahres-Mittel. 30 Menschen (-7) wurden getötet - ein Rekord-Tief. Wie 2013 fiel kein einziges Kind dem Strassenverkehr zum Opfer.

Erstmals wird dieses Jahr schweizweit als Vergleichsgrösse nicht das Vorjahr herangezogen, sondern der Durchschnitt der vorangehenden fünf Jahre. Damit soll vermieden werden, dass einzelne Jahre mit Ausreissern nach oben oder unten in der Statistik zu viel Gewicht erhalten.

Immer wieder: Unaufmerksamkeit

Unfallursache Nummer 1 war im Berichtsjahr erneut Unaufmerksamkeit und Ablenkung, wie Frank Schwammberger, Chef Verkehrspolizei bei der Kapo, sagte. Bei solchen Unfällen sei es auch am häufigsten zu Verletzten gekommen.

Allzu oft beschäftigten sich Fahrzeuglenkende mit ihrem Handy, drehten am Radio herum, studierten eine Karte oder bückten sich gar nach etwas. Dabei könne eine um eine Sekunde verspätete Reaktion zu einem schweren Unfall führen. Aus diesem Grund werde man zwar nicht die Kampagne von 2013 wieder aufnehmen. Man werde aber bei Kontrollen vermehrt auf dieses Thema achten.

Kinder sind die besten Verkehrsteilnehmer

Laut Schwammberger gab es auf Kantonsgebiet (ohne Städte Zürich und Winterthur) noch nie ein Jahr mit so wenig verletzen Kindern. Jahrelange Verkehrserziehung, Schulwegsicherungen und dergleichen wirkten sich positiv aus. "Kinder sind die besten Verkehrsteilnehmer. Sie halten sich an die Regeln", so Schwammberger.

41 Kinder wurden verletzt, 6 davon schwer. Dabei gilt allerdings in der Polizeistatistik als schwer verletzt, wer "mehr als 24 Stunden lang gesundheitlich beeinträchtigt ist" - es kann also durchaus auch um einen simplen Beinbruch gehen.

Sicherere Strassen in Zürich und Winterthur

In den Städten Zürich und Winterthur wird das Verkehrsgeschehen jeweils separat erfasst. Im Vergleich mit dem Mittel der fünf vorangegangenen Jahre wurden in in beiden Städten weniger Unfälle verzeichnet. In Winterthur wurde mit 1054 Unfällen ein neuer Tiefstand registriert.

Wie der Verkehrssicherheitschef bei der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr, Wernher Brucks, sagte, wurden in der Stadt Zürich 196 Personen schwer verletzt (Fünfjahresschnitt 208). Vier Menschen wurden getötet (9). Die Stadt bewege sich auf "vision zero" zu, sagte Brucks - die Vision einer Stadt ohne Verkehrstote.

Betrunken im Velosattel

Zwei Entwicklungen sind laut Brucks auffallend: Während immer weniger Autoinsassen verletzt werden, nimmt die Zahl der verunfallten und verletzten Velofahrenden stetig zu. Letztes Jahr verunfallten 341 Radfahrer (Fünfjahresschnitt 272).

Zurückzuführen sei diese Entwicklung einerseits auf die immer sicherer gebauten Autos und die eher niedrigen Geschwindigkeiten in der Stadt. Anderseits gebe es immer mehr Velofahrende auf den Strassen.

Gerade in sonnigen, warmen Monaten, wie etwa der Juni 2014 war, stiegen auch viele Ungeübte aufs Rad, eine Häufung der Unfälle war die Folge. Oft kam es etwa zu Stürzen.

Eine bedeutende Ursache von Velounfällen ist Alkohol, so Brucks: Namentlich in Freitag- und Samstag-Nächten setzten sich vorab Männer zwischen 20 und 40 Jahren angetrunken aufs Fahrrad. Im Schnitt hatten diese Verunfallten 1,7 Promille Alkohol im Blut.

Kein Verkehrstoter in Winterthur

In Winterthur kam im vergangenen Jahr niemand bei einem Verkehrsunfall ums Leben (Fünfjahresschnitt 1), wie Daniel Beckmann von der Stadtpolizei Winterthur sagte. 249 Personen wurden verletzt, 18 davon schwer.

24 Unfälle ereigneten sich auf Fussgängerstreifen. Diese Zahl liege - nach einem Rekordtief 2013 - im Fünfjahresschnitt. Häufigste Unfallursache war Vortritts-Missachtung - meist wegen Unaufmerksamkeit. Aber auch die Fussgänger müssten mehr auf ihre eigene Sicherheit achten, sagte Beckmann.