Kunsthaus Zürich

Zürcher Stimmberechtigte entscheiden über die Kunsthaus-Erweiterung

Durch den geplanten Neubau des Kunsthauses Zürich würde sich die Ausstellungsfläche verdoppeln und damit zum grössten Kunstmuseum der Schweiz werden. Die Stadt Zürich würde 88 Millionen Franken beisteuern. Am 25. November wird darüber abgestimmt.

Darfs etwas mehr Raum für Kunst in Zürich sein? Genauer: 550 Quadratmeter für französische Kunst und Impressionismus, 960 Quadratmeter für die Sammlung Bührle, 1070 Quadratmeter für klassische Moderne, 900 Quadratmeter für zeitgenössische Kunst ab 1960 und 710 Quadratmeter für Wechselausstellungen - kurz: eine Verdoppelung der Ausstellungsfläche des Kunsthauses Zürich. Es würde dadurch zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Hinzu käme ein Skulpturengarten. Am 25. November entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten über den geplanten Kunsthaus-Erweiterungsbau.

Der Neubau nach den Plänen des britischen Architekten David Chipperfield soll vis-à-vis vom bestehenden Kunsthaus entstehen und maximal 206 Millionen Franken kosten. Die Stadt Zürich würde 88 Millionen Franken für die Baukosten beisteuern. Die Abstimmungsvorlage umfasst zudem 5 Millionen Franken aus der Stadtkasse für Vorlaufkosten und Betriebsausfallkosten während der auf vier Jahre veranschlagten Bauzeit. Ausserdem stiegen bei einem Ja am 25. November die Subventionsbeiträge der Stadt Zürich ans Kunsthaus von 10 auf 17,5 Millionen Franken pro Jahr.

SVP, AL und SD dagegen

Der SVP ist das zu viel. Zwar räumt sie in einem Positionspapier zur Kunsthaus-Abstimmung ein: «Grundsätzlich ist es richtig, dass es staatliche Kulturförderung gibt.» Und: «Das Zürcher Kunsthaus ist eine anerkannte Kunst-Institution, die national und international eine beachtliche Ausstrahlung hat.» Doch das nun vorliegende Projekt sei «Kulturförderung à gogo» und entspringe «übertriebenem Gigantismus-Denken». Angesichts der finanziellen Lage der Stadt müsste der Stadtrat dem Projekt eigentlich eine Abfuhr erteilen, findet die SVP.

Mit ihrer Nein-Parole ist sie nicht ganz allein. Auch die linke AL lehnt die Kunsthaus-Erweiterung ab. Sie sieht darin eine nicht angebrachte Ehrerbietung an den «grössten Waffenschieber aller Zeiten», wie ein AL-Vertreter im Zürcher Stadtparlament sagte. Gemeint ist der 1956 verstorbene Industrielle Emil Bührle, dessen Kunstsammlung im Kunsthaus-Erweiterungsbau eine neue Heimat fände.
Und noch eine Kleinpartei gehört zum Chor der Neinsager: die Schweizer Demokraten. Sie wittern angesichts des Chipperfield-Baus «Dichtestress», wie ihr Gemeinderat Christoph Spiess in der Parlamentsdebatte sagte. Tatsächlich sprengt der geplante Erweiterungsbau mit seiner Grundfläche von 60 mal 60 Metern bei einer Höhe von 21 Metern die durchschnittlichen baulichen Dimensionen in Zürichs Innenstadt.

20 statt 10 Prozent der Sammlung

Doch der Zürcher Stadtrat und eine klare Mehrheit der Parteien von SP über FDP, GLP, Grüne bis hin zu CVP und EVP befürworten das Projekt. Dank der Erweiterung könne das Kunsthaus künftig 20 Prozent seiner Sammlung zeigen. Bisher waren es 10 Prozent.
Die heutige Platznot erschwere es, Sammlerinnen und Sammler zu motivieren, dem Kunsthaus Werke anzuvertrauen, erklärt der Stadtrat. Mit der geplanten Erweiterung hingegen könne es seine nationale und internationale Bedeutung festigen und sich im dynamischen Wettbewerbsumfeld behaupten. So könnten künftig ein bis drei Wechselausstellungen parallel gezeigt werden.
Auch städtebauliche Aspekte sprächen für das Chipperfield-Projekt: Es bilde den Anfang einer Bildungs- und Kulturmeile, die sich vom Heimplatz mit Kunst- und Schauspielhaus ins Universitätsquartier erstrecke.

In den Worten von Brigit Wehrli Schindler, die bis 2011 Direktorin von Stadtentwicklung Zürich war: «Der Neubau von Chipperfield Architects lässt den bisher eher unscheinbaren Heimplatz zum eigentlichen Kunstplatz werden.» Und: Er sei «kein Anbau, sondern ein eigenständiger Neubau, der die heutige gesellschaftliche Bedeutung der Kunst selbstbewusst darstellt».

Dieser Stellenwert spiegelt sich auch in den Eintrittszahlen: Mit rund 300 000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr zählt das Kunsthaus zu den zugkräftigsten Attraktionen der Stadt.

30 Millionen vom Kanton

Der Kanton Zürich beteiligt sich ebenfalls am Erweiterungs-Projekt: Er hat 30 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds zugesagt und stellt zudem das Land gegenüber dem heutigen Kunsthaus zur Verfügung. Die übrigen 88 Millionen Franken, die für das Bauprojekt nötig sind, will die Zürcher Kunstgesellschaft unter Führung des früheren Credit-Suisse-Präsidenten Walter Kielholz von privater Seite auftreiben.

Fussnote:
Am Samstag, 27. Oktober, ermöglicht das Kunsthaus Zürich mit einem Tag der offenen Tür von 10 bis 20 Uhr Einblicke hinter die Kulissen. Eintritt frei.

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