Der Verkauf von Beteiligungen an Kernenergieanlagen sei ein schwieriges Unterfangen, heisst es in einer Mitteilung des Stadtrates vom Mittwoch. Im gegenwärtigen Marktumfeld seien die Chancen gering, Käufer zu finden, die auch noch bereit wären, die Risiken einer Volksabstimmung auf sich zu nehmen.

Bei einer Volksabstimmung könne es Monate dauern, bis ein Vertrag rechtsverbindlich sei. Ein weiteres Problem sei die Vertraulichkeit. Ein solcher Vertrag enthalte Informationen und Bedingungen, die dem Geschäftsgeheimnis unterliegen und daher nicht öffentlich bekannt gegeben werden könnten.

Unter diesen Umständen liessen sich schwerlich Kaufinteressenten finden, schreibt der Stadtrat. Grössere Chancen bestünden dagegen, wenn die Stimmberechtigten den Stadtrat ermächtigten, bei einem geeigneten Angebot die Kernenergiebeteiligungen in eigener Kompetenz zu veräussern.

Mit diesem Vorgehen könne die Stadt auch flexibler auf die Entwicklung der gesetzlichen Regelungen zu den Stilllegungs- und Entsorgungskosten der Atomkraftwerke reagieren.

Voraussetzung für Atomausstieg

Derzeit hält die Stadt Zürich 15 Prozent an der Kernkraftwerk Gösgen-Dänikon (KKG) und 20,5 Prozent an der AG für Kernenergiebeteiligungen Luzern (AKEB). Der Verkauf dieser Beteiligungen ist laut Stadtrat die Voraussetzung für den vom Parlament verlangten Ausstieg aus der Kernenergie.

Mit zwei im März 2012 überwiesenen Motionen will der Gemeinderat den Ausstieg aus beschleunigen. Er verlangt das Ende der Beteiligungen und des Bezugs von Atomenergie spätestens im Jahr 2034. Bis dann soll auch eine verbindliche Strategie für den Ausstieg vorliegen.

Wie der Stadtrat schreibt, steht die Strategie des ewz im Einklang mit diesen beiden Motionen. Das städtische Elektrizitätswerk wolle "der führende Energiedienstleister mit Themenführerschaft in Ökologie und Energieeffizienz in der Schweiz" werden. Daher passten Kernenergie-Beteiligungen nicht mehr in das Produktionsportfolio.

Der Stadtrat will diese Beteiligungen ersetzen durch Investitionen in Wasserkraftwerke oder Anlagen, die erneuerbare Energiequellen nutzen. Gleichzeitig sollen die Atomenergie-Beteiligungen verkauft werden, soweit sie bis zum Verkaufszeitpunkt noch nicht ausgelaufen sind.