Rücktritt

Zürcher Stadtrat Martin Vollenwyder hat nach elf Jahren genug

Es war nicht das bestgehütete Geheimnis, denn gemunkelt wurde schon länger – jetzt ist es hochoffiziell: der freisinnige Finanzvorsteher Martin Vollenwyder verlässt die Stadtzürcher Regierung vor den nächsten Wahlen.

Der Stadtzürcher Finanzvorstand Martin Vollenwyder tritt auf den 14. Mai 2013 von seinem Amt zurück. Die gab er an einer Medienkonferenz der FDP Stadt Zürich am Montagvormittag bekannt. In den letzten Wochen war über einen möglichen Rücktritt des FDP-Stadtrats spekuliert worden. Es galt als praktisch sicher, dass Vollenwyder den Stadtrat noch vor den Gesamterneuerungswahlen verlassen würde.

Vollenwyder gehört der Stadtregierung seit 2002 an. Davor war er Kantonsrat sowie erst Präsident der städtischen, dann der kantonalen FDP. Der Jurist wird nächstes Jahr 60 Jahre alt. Er galt als starker Mann im Zürcher Stadtrat. Mit pointierten, manchmal launigen Voten und seiner jovialen Art prägte er den Stadtzürcher Politbetrieb während der letzten zehn Jahre. In stramm bürgerlichen Kreisen wurde Vollenwyder ab und zu als Linker bezeichnet, weil er im Stadtrat vor allem Sach- und nicht Parteipolitik betrieb.

Die FDP hält derzeit zwei der neun Sitze in der Zürcher Stadtregierung. Einen davon wird sie nun verteidigen müssen. Ihr Kandidat heisst Marco Camin. Der praktisch unbekannte Zahntechniker ist ehemaliger Gemeinderat war zuletzt zwei Jahre lang Kantonsrat, bevor er abgewählt wurde. Einen Angriff auf den Sitz dürften die Grünliberalen wagen. Als mögliche Kandidaten werden die Gemeinderäte Martin Luchsinger, Gian von Planta, Samuel Dubno und Michèle Bättig genannt, die für die GLP im Kantonsrat sitzt.

Stadtratskollegen bedauern Vollenwyders Rücktritt

Er bedaure ausserordentlich, dass Martin Vollenwyder (FDP) im kommenden Frühling zurücktrete, sagte Sozialvorstand Martin Waser (SP) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Stadtratskollege sei ihm ein Freund geworden.

Waser wurde wie Vollenwyder 2002 in die Zürcher Stadtregierung gewählt. Anfangs stand er dem Tiefbau- und Entsorgungsdepartement vor. Seit 2008 leitet er das Sozialdepartement.

Zwar schauten der freisinnige Finanzvorstand und der sozialdemokratische Sozialvorstand «die Welt aus unterschiedlichen Grundhaltungen heraus» an, so Waser. Häufig seien sie aber zu gleichen Problemlösungen gekommen.

Vollenwyder habe bewiesen, dass es auch bei sorgfältigem Umgang mit Geld möglich sei, wichtige soziale Anliegen der Stadt zu verwirklichen. Er habe stets einen «super Überblick» über die Finanzlage der Stadt gehabt und sehr genaue Voraussagen machen können.

Besonders geschätzt habe er Vollenwyders Fähigkeit, konstruktiv nach Lösungen zu suchen: Wenn es ein Problem gab, konnte man zu ihm gehen. Dann «brütete man zusammen», und in aller Regel fand man «eine tragfähige Lösung».

«Ich hätte gern die Legislatur mit ihm beendet», sagte Waser. Vollenwyders Abgang sei ein grosser Verlust für ihn, Waser, persönlich, für den Stadtrat und für die ganze Stadt.

Wie Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) mitteilte, bedauert auch der Gesamtstadt den Abgang Vollenwyders sehr. Die Zusammenarbeit mit ihm sei stets äusserst konstruktiv gewesen. Der Stadtrat schätze überdies sehr die «herausragenden finanzpolitischen Kompetenzen des Finanzvorstandes». Eine Würdigung von Vollenwyders Leistungen folge zu einem späteren Zeitpunkt, heisst es in der Mitteilung. (sda)

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