Es geht um Tempo 30 in der Nacht, von 22 Uhr bis 6 Uhr - nicht nur im Wohnquartier, sondern auch auf Durchgangsachsen. Was eine Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung prüft, bekommt jetzt Auftrieb durch die Zürcher Stadpräsidentin und Sozialdemokratin Corine Mauch. «Eine der möglichen Massnahmen wäre, auf gewissen Strecken in der Nacht Tempo 30 einzuführen. Damit könnten die tieferen Grenzwerte erreicht werden», sagte sie in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag».

Hintergrund sind die strengeren Vorschriften der eidgenössischen Lärmschutzverordnung, die bis in 2018 umgesetzt sein müssen. Ein Drittel der Strassen in Zürich macht mehr Lärm, als die Lärmschutzverordnung zulässt. Davon betroffen sind 140 000 Menschen. «Aus städtebaulicher Sicht ist es ja schon aus Platzgründen nicht möglich und auch nicht schön, im grossen Stil Lärmschutzwände aufzustellen», sagt Mauch.

Widerstand aus bürgerlichen Kreisen

In der Nacht müsse auch kaum ein Gewerbetreibender sofort einen Auftrag ausführen. Tempo 30 auf Hauptachsen: Das passt bürgerlichen Kreisen und Auto-Lobbyisten gar nicht. «Das ist ein Schildbürgerstreich realitätsferner Ideologen, weil es zu einer Verlagerung von den Haupt- in die Quartierstrassen führen wird», sagt FDP-Stadtparteipräsident Michael Baumer: «Es werden also noch mehr Leute mit Lärm belästigt - das Gegenteil von dem, was man eigentlich will.»

Harte Töne schlägt TCS-Geschäftsführer Reto Cavegn an: «Das ist nicht realisierbar und kriminalisiert die Autofahrer.» Das Volk habe vor zehn Jahren zwar Ja zur Tempo 30-Initiative gesagt, «aber nicht auf Hauptverkehrsachsen». Für Cavegn ist deshalb klar: «Der Wille des Volkes wird missachtet».