Zürich

Zürcher Stadtpolizei baut ihre Internet-Polizei aus

Patrick Jean

Patrick Jean

Seit einem halben Jahr ist der Oerliker Quartierpolizist Patrick Jean auf den beiden sozialen Netzwerken Facebook und Instagram präsent. Der 33-Jährige gilt als erster deutschsprachiger «Internet-Community-Polizist», abgekürzt «Icop».

Die Stadtpolizei Zürich ist mit dem ersten halben Jahr zufrieden. «Der Pilotversuch hat gezeigt, dass eine grosse Nachfrage besteht», sagt Michael Wirz, der Chef der Fachgruppe Kommunikation. «Es ergeben sich neue Möglichkeiten und Chancen für die moderne Polizeiarbeit.»

Polizist Patrick Jean wird deshalb weiterhin auf den sozialen Netzwerken präsent sein und von seinem Polizeialltag berichten. Zudem will die Stapo einen zweiten «Icop» einsetzen; eine Polizistin soll voraussichtlich ab nächstem Frühling an Jeans Seite im Internet unterwegs sein.

Gleiche Arbeit, neuer Ort

Die Internet-Polizisten patrouillieren aber nicht im weltweiten Netz; sie setzen in der digitalen Welt nicht aktiv Internet-Betrügern oder Spammern nach. «Ein Icop macht keine neue Polizeiarbeit, er erledigt sie einfach an einem neuen Ort», erklärt Wirz.

Wie ein Polizist auf einer Quartierstrasse für die Bevölkerung ansprechbar sei, sei dies ein Icop auf Facebook. Die Polizei soll auch im Internet und insbesondere in den sozialen Netzwerken präsent sein, die für viele Menschen zu einem wichtigen Lebensbereich geworden sind.

«Die Aufgabe der Polizei ist es, dorthin zu gehen, wo die Bevölkerung ist», sagt Wirz. «Über Facebook erreichen wir insbesondere viele Jugendliche, die wir über traditionelle Medienkanäle kaum ansprechen könnten.»

In verschiedenen europäischen Ländern, etwa in Estland und Finnland gibt es bereits ähnliche Modelle. In Finnland wurde der erste Icop insbesondere eingesetzt, um jugendlichen Mobbingopfer einen einfachen Zugang zur Polizei zu ermöglichen.

In Zürich gab es keinen solchen spezifischen Auftrag an Pilot-Icop Patrick Jean; laut eines früheren Strategiepapiers soll er einfach «Menschen, die es sich gewohnt sind, sich im Netz zu bewegen, eine niederschwellige Zugangsmöglichkeit» ermöglichen.

Auf seiner Facebook-Seite zeigt Patrick Jean Einblicke in seine tägliche Polizeiarbeit. Er publiziert Selfies von einem Einsatz im Ordnungsdienst – zum Bild, wie er sich lächelnd über ein Absperrgitter beugt, schreibt er: «Zeit für ein kleines Spässchen.»

Er berichtet davon, dass er und seine Kollegen in der dunklen Jahreszeit viele Autofahrer mit defekter Beleuchtung stoppen müssten und rät: «Kontrolliert das Licht regelmässig, dann kommt Ihr deswegen schonmal nicht in eine Kontrolle.»

Jean veröffentlicht auf Facebook auch mal ein Bild des Lichthofs seiner Regionalwache, erzählt von der Suche nach einem gestohlenen Handy und vom Besuch von Weiterbildungskursen.

Diese Nachrichten stellen aber nicht die Hauptaufgabe des Icops dar; der Nebeneffekt, ein sympathisches Bild sowie gute PR für die Stadtpolizei, ist aber durchaus gewollt. Aber im Hintergrund läuft die eigentliche – und auch sehr zeitintensive – Polizeiarbeit: «Neben den rund 80 eigenen, öffentlich einsehbaren Beiträgen hat er über 600 direkte Dialoge mit Userinnen und Usern geführt», sagt Michael Wirz.

Bei Streit vermittelt

Diese Dialoge hatten unterschiedliche Inhalte. Gemäss Wirz gelangten zahlreiche Personen mit Fragen an den Icop: Sie erkundigten sich etwa, wie sie nach einem Unfall vorzugehen hätten oder wo sie eine Festbewilligung erhalten könnten.

Im Weiteren gingen auch Hinweise an die Stapo ein. Und in verschiedenen Fällen konnte der Icop auch vermittelnd eingreifen und beispielsweise im Internet ausgetragene Streitereien schlichten. «Durch dieses pragmatische Vorgehen konnte wohl das eine oder andere kostspielige Strafverfahren verhindert werden», meint Wirz.

Letzteres Beispiel zeigt für den Leiter der Fachgruppe Kommunikation auf, dass ein Icop nichts anderes als ein Stadtpolizist tut: «Das Schlichten und Vermitteln gehört zum Grundauftrag der Polizei und geschieht täglich draussen auf den Strassen. Und jetzt auch in der virtuellen Welt.»

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