Alterspolitik

Zürcher Stadtparlament macht sich Gedanken zum Altwerden

In der Stadt Zürich leben 80'000 Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind. 20'000 Personen sind über 80 Jahre. Von diesen 20'000 leben 16'000 in den eigenen vier Wänden. (Symbolbild)

Welche (Wohn-)Bedürfnisse haben Menschen, die in 20 Jahren alt sind? Diesen Fragen widmete sich das Zürcher Stadtparlament am Mittwochabend und lieferte Gesundheitsvorstand Andreas Hauri (GLP) Anregungen für die Überarbeitung der städtischen Altersstrategie.

Die bestehende Altersstrategie aus dem Jahr 2012 basiert teilweise auf Grundlagen, die mehr als zehn Jahre alt sind. Sie soll durch eine neue, breit verankerte und zukunftsorientierte Strategie abgelöst werden. Diese will Hauri Ende Jahr - nach Anhörung aller Stakeholder - präsentieren. Ein Stakeholder ist auch das 125-köpfige Stadtparlament.

Wie Hauri am Mittwoch im Gemeinderat ausführte, leben in der Stadt Zürich 80'000 Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind. 20'000 Personen sind über 80 Jahre. Von diesen 20'000 leben 16'000 in den eigenen vier Wänden.

4000 über 80-Jährige leben also in einem Alters- oder Pflegezentrum sowie in privaten Einrichtungen. Gemäss Hauri ist die Auslastung in den städtischen Institutionen "sehr hoch". Die Wartefrist beträgt bis zu 200 Tage.

Hauri will in der neuen Altersstrategie "nicht alles über den Haufen werfen". Aber man müsse heute prüfen, welche Bedürfnisse Alte und Hochaltrige in 20 Jahren haben könnten. "Denn die Stadt muss da sein, wenn Menschen Unterstützung brauchen", sagte Hauri.

In Würde in der eigenen Wohnung alternEinigkeit herrschte im Rat darüber, dass ein Grossteil wohl möglichst lange - oder gar bis zum Tod - zu Hause leben möchte, aber dass es viel zu wenig Alterswohnungen gibt. Die FDP forderte deshalb den Bau von mehr Alterswohnungen. Zudem sollen städtische und private Einrichtungen mehr zusammenarbeiten.

Die SVP verlangte Freiheit und Sicherheit für die Älteren. Freiheit bedeute, die Wohnsituation selbst bestimmen zu können, je nach wirtschaftlicher Situation. Es brauche genügend Kapazität in allen möglichen Wohnformen.

Laut der SP braucht es weiterhin die Vielfalt an Möglichkeiten, die es in Zürich gibt. Dabei seien die Qualität der Betreuung, die Wahlfreiheit sowie der Zugang für alle Bevölkerungsschichten zu allen Angeboten wichtig.

Laut den Grünen muss die Devise lauten "ambulant UND stationär" und nicht wie bisher "ambulant VOR stationär". Denn jeder alte Mensch soll selbstbestimmt entscheiden können, wo und wie er leben will und zwar unabhängig von Herkunft, Lebensweise oder von Vermögen und Einkommen.

Denn für die Grünen ist klar: "Die letzten Lebensjahre sind die teuersten." Alt werden sei nur angenehm, wenn man reich ist. Deshalb brauche es das Solidaritätsprinzip.

Die Grünliberalen setzen auf "generationendurchmischten Wohnraum". Dieser sollte zum Standard werden. Dies ermögliche auch gelebte Nachbarschaftshilfe.

Die AL verlangt "mehr bezahlbare Alterswohnungen". Zudem müsse der Mieterschutz für Seniorinnen und Senioren verbessert werden. Denn es finde eine Verdrängung der Älteren statt - auch auf anderen Ebenen. Personen mit Migrationshintergrund, homo- und bisexuelle Menschen, Trans-Personen und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen würden auf niederschwellige Angebote in den städtischen Alters- und Pflegezentren warten.

Sämtliche Fraktionen begrüssten die Überarbeitung der Altersstrategie. Sind seien gespannt, was Stadtrat Andreas Hauri Ende Jahr präsentieren werde, und welche ihrer Anregungen er aufgenommen hat.

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