Urs Kessler, Organisator der Stadtzürcher Seeüberquerung, ist nervös. «Wir müssen früher starten», sagt er zur Speakerin. Und zum Reporter auf dem 5-Meter-Sprungturm am Start im Strandbad Mythenquai: «Es braut sich ein Gewitter über dem Entlebuch zusammen. Das dürfte auch nach Zürich kommen.»

Wenig später gibt Stadtrat Gerold Lauber am Mittwochnachmittag das Signal zum Start. Die ersten 800 Teilnehmer der grössten Seeüberquerung der Schweiz tauchen ein ins 26 Grad warme Wasser des Zürichsees. 1500 Meter trennen sie vom Ziel im Strandbad Tiefenbrunnen.

Zürcher Seeüberquerung 2011: Stadtrat Gerold Lauber gibt das Startsignal zur Zürcher Seeüberquerung

Stadtrat Gerold Lauber gibt das Startsignal zur Zürcher Seeüberquerung

Es ist drückend heiss. «So heiss war es noch nie», sagt Maja Gubbi, die seit über zehn Jahren als Helferin an der seit 1985 ausgetragenen Seeüberquerung mitwirkt. Auf der Wiese des Strandbads Mythenquai hüpfen nichtsdestotrotz Hunderte zu stampfenden Rhythmen herum: Aufwärmtraining bei 31 Grad im Schatten. Alle paar Minuten starten 800 weitere Teilnehmer zur Seeüberquerung.

«Um 16.09 Uhr ist der letzte Start»

Dann taucht plötzlich der Einsatzleiter der Wasserschutzpolizei auf dem Steg beim Start auf: «Um 16.09 Uhr ist der letzte Start», sagt Kurt Hefti. Zwischen 17 und 18 Uhr sei ein Gewitter zu erwarten. «Bei Blitz und Donner darf niemand im Wasser sein», erklärt der Polizist weiter. «Sicherheit geht vor.»

Eigentlich war geplant, dass die Starts bis 18.45 dauern würden. Schon eine halbe Stunde nach dem Start waren laut OK-Chef Kessler 2300 Menschen im Wasser. Der Teilnehmerrekord vom letzten Jahr – 7334 Menschen – lag in Reichweite, nachdem die diesjährige Seeüberquerung wetterbedingt schon zweimal verschoben worden war. Zum letzten zulässigen Start treten dann nur noch wenige an. «Traurig», sagt Kessler. «Aber wichtig ist, dass alle sicher rüberkommen.»

«Ich bin in Panik geraten»

In einem Boot der Wasserschutzpolizei sitzt Jakob Bäbler. Er ist 150 Meter nach dem Start umgekehrt und reist nun seinem Gepäck nach, das Helfer schon ans andere Seeufer gebracht haben. Umgekehrt ist Bäbler aber nicht wegen des drohenden Gewitters. «Ich bin in Panik geraten», sagt er. «So viele Leute waren um mich herum. Ich hätte zuhinterst, nicht zuvorderst starten sollen.»

Ein Seepolizist blickt auf die Wetterkarte auf seinem Handy. «Jetzt ist das Gewitter schon über Luzern», sagt er zu Katharina Schmid, der Sprecherin des Vereins Stadtzürcher Seeüberquerung. Sie nickt. «Der Abbruch war ein richtiger Entscheid.»

Der See ist rau. Dunkle Wolken über dem Üetliberg. Wellen bremsen die Schwimmer. Die Ersten erreichen das Ziel. Eine von ihnen ist Sarina Meier (21). «Megaläss» fand sie ihre erste Seeüberquerung. «Anfangs herrschte etwas Platzmangel. Aber dann gings super.» Rund 40 Minuten brauchte sie für die 1500 Meter.

Am frühen Abend bilanziert Schmid: «Alle sind heil angekommen.» Insgesamt 2611 Teilnehmer zählte die abgebrochene 24. Stadtzürcher Seeüberquerung laut Schmid. Die nächste Ausgabe soll am 4. Juli 2012 stattfinden. Falls das Wetter mitspielt.