Die zwei Meldungen dieser Woche zum Schauspielhaus Zürich lauten: A) Das Schauspielhaus Zürich feiert sein 75-Jahre-Jubiläum und B) die Stadt Zürich hat der Fastfood-Kette McDonald's die Baubewilligung für eine Filiale neben dem Schauspielhaus erteilt.

Die Jubilarin wollte eigentlich verhindern, dass es je zu zur Erteilung des Baugesuchs kommt. Sie sah im Verkauf von profanen Hacktätschli zwischen zwei zu weich geratenen Brötli-Hälften einen Angriff auf die Hochkultur. 6500 Unterschriften hatte das Schauspielhaus gegen das amerikanische «Familienrestaurant» mit dem schottischen Namen gesammelt. In einer Medienmitteilung schrieb das Schauspielhaus vor einer Weile: «Wir hoffen, dass diese Stimmen Gehör finden werden und für den Schnellimbiss ein geeigneterer Standort gefunden werden kann.»

Konnte er nicht, die Hamburger kommen. Es ist zu hoffen, dass sich das Zürcher Stadttheater durch Nachricht B nicht Tatsache A vermiesen lässt, sprich, dass es dieses Wochenende trotzdem sein Jubiläum gebührend feiern kann.

Vom Biergarten zur Bühne

Es ist ja nicht so, dass das noble Haus am Pfauen schon immer weit über der Volkskultur geschwebt wäre. In den ersten Jahren seines Bestehens, zwischen 1889 und und 1901 - gewiss, diese Epoche wird im aktuellen Jubiläum nicht mitgezählt - war die Bühne fest in der Hand des Hottinger Gastwirten Heinrich Hürlimann.

Durch seinen Biergarten betrat man die Bühne im Innenhof. Dort wurde Währschaftes aufgeführt, Schlangentänzerinnen boten ihre Künste dar, von «Berliner Possen» und «Pariser Schwänken» war die Rede. Das Publikum goss sich Hopfensaft in die Kehlen und applaudierte zum frivolen Treiben.

Der Ernst hielt erst 1901 Einzug am «Pfauen». Der damalige Opernhaus-Direktor Alfred Reucker mietete das Volkstheater, schmiss die Biertische raus und setzte mit Goethes «Mitschuldigen» zur Wiedereröffnung an. Das Publikum war mässig begeistert vom neuen Kurs.

Wandel durch die Nationalsozialisten

1926 übernahm der Riesbacher Ferdinand Rieser, Erbe einer Wein-handlung, das Haus. Rieser baute es grosszügig um und setzte auf einen zeitgenössischen Spielplan. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 wandelte sich die Pfauenbühne innert Kürze vom Provinztheater zum angesehensten Theater im deutschsprachigen Raum.

Nota bene letztlich zum einzigen Theater, das nicht unter faschistischer Fuchtel stand. Rieser holte grosse Namen an sein Haus, mitunter direkt aus den Konzentrationslagern der Deutschen. Während er in den Dreissigern nazikritisches Theater aufführen liess, protestierten vor dem Haus die Fröntler, die den Anschluss der Schweiz an Deutschland suchten. Einmal explodierte auf der Herrentoilette gar ein Sprengsatz.

Trotzdem hatte der Direktor kein glückliches Händchen. Wie die «Weltwoche» kürzlich schrieb, stand ein Grossteil des Ensembles der Person Riesers kritisch gegenüber. 1938 gab er auf und setzte sich in die USA ab.

Die Stadt sprang ein, gründete die Neue Schauspielhaus AG und führte fortan den bisher privaten Betrieb. Mit dem Basler Oskar Wälterlin engagierten sie den ersten Direktor der neuen Ära. Wälterlin blieb bis 1961. Während dieser Zeit wurden die beiden damals jungen Schweizer Dramatiker Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt berühmt, einige ihrer Stücke feierten am Schauspielhaus Uraufführung, etwa Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» im Januar 1956.

Für Schlagzeilen sorgte das Schauspielhaus wieder in den frühen Nullerjahren des neuen Jahrtausends. Der damalige Verwaltungsrat hatte im Jahr 2000 Christoph Marthaler als Direktor eingesetzt, im selben Jahr wurde die Schiffbau-Bühne eingeweiht.

In der Folge wurde das Schauspielhaus 2002 und 2003 zum «Theater des Jahres» gewählt.
2004 verliessen Marthaler und sein Team unter Getöse das Schauspielhaus wieder. Seit 2009 wirkt mit Barbara Frey die erste Frau als Intendantin.
«Wie Zürich zu seinem Theater kam»,

Jubiläumsveranstaltung, Sonntag, 29.9., 17 bis 21 Uhr, Pfauenbühne