Er befürchtet, dass langfristig die wegfallende Kernenergie durch Strom aus fossilen Energien ersetzt werden muss. Das im kantonalen Energiegesetz für das Jahr 2050 gesteckte Ziel von 2,2 Tonnen CO2-Ausstoss pro Kopf und Jahr im Kanton Zürich könne eingehalten werden, ist Hansruedi Kunz, Leiter der Abteilung Energie in der Baudirektion, überzeugt. Allerdings sei die Bedingung dafür, dass keine Gaskraftwerke erstellt würden.

Der CO2-Ausstoss pro Kopf sei im Kanton Zürich seit 1990 von 6 auf 5 Tonnen gesunken. Man sei damit "etwa auf dem Zielpfad". Das in der "Energiestrategie 2050" formulierte Ziel des Bundes, eine Reduktion auf eine bis anderthalb Tonnen pro Person und Jahr zu erreichen, ist nach Ansicht von Regierungsrat Kägi jedoch unrealistisch.

Die Zürcher Regierung stehe hinter dem Entscheid des Bundesrates, keine Ersatzkernkraftwerke zu bauen. Problematisch sei es jedoch, dass aufgrund des Kernkraftausstiegs "äusserst anspruchsvolle energiepolitische Ziele" gesteckt worden seien.

Es sei zu befürchten, dass die sich abzeichnende Lücke bei der Selbstversorgung mit Strom schliesslich mit Kohlestrom aus dem Ausland gefüllt werden müsse, sagte Kägi. Der Kanton Zürich unterstütze den Bund in der Haltung, "die bestehenden Kernkraftwerke so lange zu betreiben, wie dies sicher und wirtschaftlich ist."


Bund soll erwünschten Strom-Selbstversorgungsgrad festlegen

Der Kanton Zürich verlangt vom Bund, dass für die Schweiz ein erwünschter Selbstversorgungsgrad mit Strom festgelegt wird. So könne die Planungssicherheit erhöht und die Grundlage für den Ausbau der inländischen Stromproduktion geschaffen werden.

Im Kanton Zürich ist laut Kägi das Potenzial zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien beschränkt. Der Strombedarf werde sicher nicht sinken, die im Kanton möglichen Anlagen werden gemäss dem Energieplanungsbericht im Jahr 2050 höchstens 35 Prozent des kantonalen Strombedarfs decken können.

Der Strom aus neuen erneuerbaren Quellen habe den Nachteil, dass er im Tages- und Jahresverlauf in stark schwankender Menge anfalle. Es gelte deshalb zu klären, wie die Sonnen- und Windenergie zu vertretbaren Kosten gespeichert werden könne, um die Energie dann zur Verfügung stellen zu können, wenn sie effektiv gebraucht wird.


Europäischer Spitzenplatz bei Neubauten

Als energiepolitischen Erfolg erwähnt der Energieplanungsbericht, dass der Energieverbrauch im Kanton trotz zunehmender Bevölkerung seit 20 Jahren stabil ist. Insbesondere bei der Wärmeversorgung von Gebäuden steige der Anteil erneuerbarer Energien laufend an.

Bei der energie-technischen Qualität von Neubauten nehme Zürich europaweit einen Spitzenplatz ein. Hier hat sich der Wärmebedarf gemäss Bericht seit 1990 halbiert. Derjenige bestehender Häuser sinkt jährlich um 1,3 Prozent und damit weit stärker als in der gesamten Schweiz.

Trotz zunehmender Wohnfläche pro Kopf und steigenden Komfortansprüchen beim Heizen wird der Kanton Zürich seinen Wärmebedarf dank effizienteren Bauten bis 2050 weitgehend selbst decken können.

Der Energieplanungsbericht 2013 ersetzt denjenigen aus dem Jahr 2010. Er berücksichtigt die nach "Fukushima" erfolgten Änderungen der Energiepolitik des Bundes sowie aktuelle Entwicklungen im Energiebereich. Der Bericht wird dem Kantonsrat zur Genehmigung vorgelegt.