Die Swiss Football League (SFL) will mit ihrem Projekt "Focus One" gewalttätige Fans identifizieren und sanktionieren können. Sie setzt bei Risiko-Spielen Kamerateams ein, die auch ausserhalb des Stadions filmen. Der Stadtzürcher Polizeivorstand hat gegenüber dem Projekt zwar politische Bedenken, legt der SFL aber bis auf Weiteres keine Steine in den Weg.

Polizeivorstand Richard Wolff (AL) anerkenne, dass die SFL bemüht sei, die Probleme im Fussball anzugehen, heisst es in einer Mitteilung des Polizeidepartementes vom Dienstag. Er möchte ihr deshalb - trotz Bedenken - die Möglichkeit geben, "Focus One" auch in der Stadt Zürich als Pilotprojekt umzusetzen.

Voraussetzung sei allerdings, dass das Projekt, von dem Wolff aus den Medien erfahren habe, per Ende Saison abgeschlossen werde. Danach müsse eine sorgfältige Auswertung erfolgen. Offene Fragen müssten eingehend geklärt werden, heisst es weiter.

Wolff ist der Ansicht, dass das Projekt rechtlich-politische Fragen aufwirft. Insbesondere gehe es um die Frage, ob private Videoteams polizeiliche Aufgaben übernehmen sollen. Denn die offene und verdeckte Überwachung mittels Audio- und Videogeräten ist im kantonalen Polizeigesetz geregelt. Sie ist grundsätzlich Aufgabe der Polizei.

Zwar ist Filmen auf öffentlichem Grund an sich nicht bewilligungspflichtig, wie es weiter heisst. Ob und wie weit Private gezielt für Zwecke der Strafverfolgung verdeckte Aufnahmen auf öffentlichem Grund machen sollen, erscheine fraglich, schreibt das Polizeidepartement. Ferner sei zu bedenken, dass private Kamerateams im Gegensatz zur Polizei keiner politischen Kontrolle unterstehen.

Wolff rennt offene Türen ein

Das Projekt "Focus One" wurde bereits Mitte März lanciert, jedoch erst vor einer Woche an einer Medienkonferenz der Fussballliga in Bern bekannt gemacht. Das Projekt soll Ende der laufenden Saison ausgewertet werden. Wolff rennt mit seiner Forderung also offene Türen ein.

Die Pilotphase kostet die SFL insgesamt 100'000 Franken. Ob das Projekt weitergeführt wird, hängt laut SFL nicht zuletzt davon ab, wie die Strafverfolgungsbehörden das Vorgehen beurteilen.

Umstritten ist aus rechtlicher Sicht beispielsweise, ob entsprechende Bilder als Beweismaterial vor Gericht überhaupt verwertbar wären. Die Swiss Football League hat dazu ein Rechtsgutachten eingeholt und sich vom eidgenössischen Datenschützer beraten lassen. Dies führte zu strengen Vorgaben für die Filmteams.

So kommen die Kameras nur bei Spielen "mit hohem Gefahrenpotenzial" und nur nach Rücksprache mit den Behörden zum Einsatz. Gefilmt und fotografiert werden dürfen nur Ausschreitungen und Gewaltakte, also keine friedlichen Fanmärsche. Ausserdem haben nur wenige Personen Zugriff auf das Bildmaterial, und dieses darf laut SFL "nicht länger als nötig" aufbewahrt werden.