Der Fall "Carlos" zeige, dass renitentes Verhalten belohnt werde, sagte SVP-Nationalrat Alfred Heer auf Anfrage der sda. Die Zürcher Behörden würden ihm offensichtlich alle Wünsche von den Augen ablesen. Heer räumte jedoch ein, dass die Situation zum jetzigen Zeitpunkt vertrackt sei und Alternativen schwierig zu finden seien.

"Ein solches Sondersetting hätte von Anfang an gar nie bewilligt werden dürfen", sagte Heer weiter. Verantwortlich dafür war der leitende Oberjugendanwalt Marcel Riesen, selber Mitglied der SVP.

CVP: "Weiterhin sehr viel Geld"

Positiver fällt die Reaktion der Zürcher CVP aus. Das neue Setting sei ein Schritt in die richtige Richtung, teilte die Partei mit. Richtig sei auch, dass man "Carlos" nun in die Pflicht nehme. Durch Wegsperren bringe man keinen jungen Menschen dazu, zu arbeiten und Teil dieser Gesellschaft zu werden.

Die 19'000 Franken pro Monat, die das neue Sondersetting kostet, sind für die CVP aber "weiterhin sehr viel Geld". Man müsse sich auch fragen, weshalb man das Kostenbewusstsein bei der Justizdirektion erst habe wachrütteln müssen.

Die CVP steht dem Thaibox-Training, das "Carlos" voraussichtlich in seiner Freizeit weiterhin ausüben darf, allerdings kritisch gegenüber. Eine Kampfsportart sei wohl nicht das Beste für einen Menschen mit Aggressionen. Da gebe es sicher geeignetere Sportarten.

Das bisherige Trainingszentrum sei zudem kaum ein Ort für labile Jugendliche. Die Thaibox-Schule in Reinach BL geriet diese Woche in die Schlagzeilen, weil sie von Schlägern überfallen wurde.

Grüne Kritik an den Besserwissern

Die Grünen wiederum stellen sich vor ihren Justizdirektor Martin Graf, der wegen des Zick-Zack-Kurses im Fall "Carlos" von links bis rechts in die Kritik geriet.

Wegen der Gewaltenteilung sei Graf gar nicht befugt, in diesem Fall Entscheide zu fällen, teilte Fraktionspräsidentin Esther Guyer mit. Der Justizdirektor respektiere die Gewaltentrennung und habe deshalb lediglich eine Aufsichtspflicht wahrgenommen.

Offene Kritik äusserte die Grüne an all den Besserwissern und "Möchtegern-Regierungsräten", die sich mit dem Fall "Carlos" hätten profilieren wollen. Damit meine sie vor allem Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (SP), der in der Öffentlichkeit Verständnis für die Renitenz von "Carlos" gezeigt habe, sagte sie auf Anfrage.

(28.2.2014)