Zürcher Obergericht
Wegen illegaler Kinder- und Tier-Pornos: Obergericht verweist Spanier des Landes

Ein 55-jähriger Spanier, der seit seiner Kindheit in der Schweiz lebt, ist vom Zürcher Obergericht für fünf Jahre des Landes verwiesen worden. Er hatte zum wiederholten Mal illegale Pornografie aus dem Internet heruntergeladen, gespeichert, angeschaut und weiterverbreitet.

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Der Beschuldigte argumentierte, er habe nie Absicht gehabt, an illegale Pornografie zu kommen. Allerdings habe er im Graubereich den «Kick» gesucht, wo «nicht ersichtlich ist, ob jemand minderjährig ist oder nicht».

Der Beschuldigte argumentierte, er habe nie Absicht gehabt, an illegale Pornografie zu kommen. Allerdings habe er im Graubereich den «Kick» gesucht, wo «nicht ersichtlich ist, ob jemand minderjährig ist oder nicht».

Themenbild: Waldmäller/www.imago-images.de

(sda) Das pornografische Material zeigte Handlungen mit Kindern, Tieren und Gewalt unter Erwachsenen, wie aus dem Mitte März veröffentlichten Urteil hervorgeht. Zudem machte er das Material anderen Interessierten zugänglich, indem er ein Download-Programm verwendete, welches das Material während des Herunterladens gleichzeitig anderen zur Verfügung stellte.

Das Gericht beurteilte das Gesamtverschulden zwar als leicht. Der Beschuldigte habe aber in Kauf genommen, dass das heruntergeladene Material verbotene sexuelle Darstellungen mit Minderjährigen und Tieren beinhalte, schreibt das Obergericht.

Hat den «Kick» gesucht

Der Beschuldigte argumentierte, er habe nie Absicht gehabt, an illegale Pornografie zu kommen. Allerdings habe er im Graubereich den «Kick» gesucht, wo «nicht ersichtlich ist, ob jemand minderjährig ist oder nicht». Es sei ihm um das Testen von Grenzerfahrungen gegangen.

Trotzdem sprach das Obergericht - im Gegensatz zur Vorinstanz - einen Landesverweis aus. Er sei weder sozial noch beruflich integriert.

Der Beschuldigte arbeitet Teilzeit im IT-Bereich auf einer befristeten Stelle im Rahmen eines Arbeitsvermittlungsprogramms. Das qualifiziere den Beschuldigten, der früher als IT-Projektleiter in einer Grossbank tätig war, aber nicht als integriert.

«Eine Landesverweisung wird den Beschuldigten zweifellos hart treffen»

Zudem sei er einschlägig vorbestraft, so das Gericht weiter. Er sei zweimal in jüngerer Vergangenheit straffällig geworden. Weder Reue noch Einsicht seien beim Beschuldigten auszumachen. Die Vorstrafe habe ihn sogar «gänzlich unbeeindruckt gelassen», da er nur ein halbes Jahr nach abgelaufener Probezeit erneut gegen das Gesetz verstiess. «Er muss deswegen als uneinsichtig bezeichnet werden.»

Dass der Beschuldigte seit Jahrzehnten in der Schweiz lebt und bereits als Kind hierher kam, spielte beim Landesverweis keine Rolle. Denn: Verbotene Pornografie ist eine Katalogtat. Und beim Beschuldigten sah das Gericht keinen Anlass, ihn als Härtefall einzustufen. «Eine Landesverweisung wird den Beschuldigten zweifellos hart treffen», heisst es im Urteil.

Neben des Landesverweises kassierte der Beschuldigte auch eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten. Dazu muss er einen Teil der Gerichtskosten tragen. Das Urteil ist rechtskräftig.