Türsteher-Mord

Zürcher Obergericht senkt Strafe gegen Türsteher-Todesschützen

Hohes Polizeiaufgebot nach dem «Türsteher-Mord» am 1. März 2015 in Zürich-Affoltern.

Hohes Polizeiaufgebot nach dem «Türsteher-Mord» am 1. März 2015 in Zürich-Affoltern.

Das Zürcher Obergericht hat einen mutmasslichen Todesschützen aus Regensdorf ZH wegen zwei brutalen Angriffen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von insgesamt 58 Monaten verurteilt. Es senkte damit ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts.

Der heute 31-jährige Schweizer Automechaniker mit kosovarischen Wurzeln geriet wegen des sogenannten Türsteher-Mordes in die nationalen Schlagzeilen. Am frühen Morgen des 1. März 2015 wurde ein 30-jähriger Türsteher und Kampfsportler aus Montenegro auf offener Strasse in Zürich-Affoltern erschossen aufgefunden.

Diese Vorkommnisse standen am Freitag zwar nicht zur Debatte. Aber Rechtsanwalt Valentin Landmann liess dennoch mitteilen, dass sein mehrfach vorbestrafter Klient inzwischen zugegeben habe, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Er sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Wann es zur Anklage kommt, ist noch offen.

Der Milieu-Anwalt Valentin Landmann ist Verteidiger des Verurteilten.

Der Milieu-Anwalt Valentin Landmann ist Verteidiger des Verurteilten.

Die aktuelle Verhandlung stand ganz im Zeichen von zwei brutalen Keilereien, an denen der Angeklagte massgeblich beteiligt gewesen sein soll und zwei Personen erheblich verletzte. Die eine fand Ende Januar 2012 vor dem Club Q statt, die andere im November 2013 an der Zürcher Langstrasse.

Das Bezirksgericht Zürich hatte ihn im Dezember 2014 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein.

"Stunde der Idioten"

Sein Verteidiger verlangte von den Angriffsvorwürfen umfassende Freisprüche - nicht nur mangels Beweisen, sondern auch aufgrund des Mitverschuldens der Gegner, die während der "Stunde der Idioten" ebenfalls zugeschlagen hätten.

Für die übrigen unbestrittenen Vorwürfe der Diebstähle, Drogenvergehen und weiteren Delikten sei eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten angemessen, plädierte Landmann. Der Staatsanwalt verlangte hingegen die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.

Das Obergericht verzichtete aus Zeitnot auf eine öffentliche Urteilsbegründung, stellte aber seinen Entscheid den Parteien im Dispositiv schriftlich zu. Es hat die Schuldsprüche wegen mehrfachen Angriffs umfassend bestätigt.

Allerdings senkte es die Strafe von vier Jahren auf dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug, abzüglich von 53 Tagen Untersuchungshaft. Da auch das Obergericht die beiden ehemals bedingten Vorstrafen widerrief, lautet die gesamte Strafe auf 58 Monate. Zudem sollen zwei Opfer Schmerzensgeld von 2000 Franken sowie 500 Franken erhalten.

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