Im Oktober 2011 vergewaltigte ein 25-jähriger Mann bei der Sportanlage Moos in Affoltern am Albis eine junge Frau, die er zufällig dort traf. Wie der Tagesanzeiger mitteilte, bedrohte der Täter die Frau mit einer Art Teppichmesser und zwang sie zu oral- und vaginalem Geschlechtsverkehr. Dabei fügte er ihr leichte Schnittverletzungen zu.

Das Opfer reichte im Bezirksgericht Affoltern eine Anklageschrift von eineinhalb Seiten ein, während der Mann die Tat weiterhin abstritt. Das Bezirksgericht verurteilte den seit 25 Jahren in der Schweiz lebenden Kosovaren wegen qualifizierter Vergewaltigung und mehrfach qualifizierter sexueller Nötigung schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Nach der Verbüssung der Strafe war eine Verwahrung vorgesehen, da der Täter Risikomerkmale für eine Wiederholungstat aufwies und therapieresistent wirkte.

Überraschende Kehrtwende

Nachdem das Urteil ans Obergericht weiter gezogen wurde, kam es gestern zur überraschenden Kehrtwende: Der heute 34-Jährige gestand die Tat, sowie sie das Opfer damals hergeleitet hatte. Das Geständnis reduzierte seinen Strafantrag um ein halbes Jahr.

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren, von denen er bereits 5 Jahre abgesessen hat. Dem Opfer wird eine Genugtuung von 12'000 Franken zugesprochen. Was aber sehr erstaunt: Das Gericht verzichtet auf eine Verwahrung - unfreiwillig. Die Voraussetzungen für eine Verwahrung aufgrund der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung sei nicht mehr erfüllt.

Der Entscheid erscheint überhaupt nicht nachvollziehbar, da der Täter auch noch schwerwiegend vorbelastet ist. Er hatte bereits im Alter von 17 Jahren eine Taxi-Fahrerin überfallen und vor allem die Mutter seiner damaligen Freundin mit Messerstichen in den Hals getötet.

Die Akten stammen jedoch aus seinem Jugendstrafverfahren und dürfen daher nur zur Einschätzung seines psychischen Zustands und nicht für die Rückfallprogronse dienen. Auch wenn genau dieses Tötungsdelitk die Prognose erheblich beeinflusst hätte.

Das Gericht war jedoch gezwungen so zu tun, als hätte es die aus dem Register gelöschten Strafdelikte nie gegeben. Es sei «sehr frustrierend», von Politikern den Vorwurf der Kuscheljustiz zu hören, «wenn von den gleichen Politikern Gesetze erlassen werden, die uns vor kaum lösbare Probleme stellen», sagte Gerichtspräsident Daniel Bussmann.