Es war im letzten Februar, als das Bezirksgericht Zürich den heute 33-jährigen Beschuldigten aus Dietikon wegen versuchter schwerer Körperverletzung anklagegemäss zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilte.

Das Gericht sah die Anklage als erwiesen an. Demnach fuhr der Sozialhilfeempfänger am 6. April 2013 mit dem Auto seiner Mutter und einer Freundin nach Zürich.

Kurz nach Mitternacht bewegte er sich im Kreis 4 über die Brauerstrasse, wo er plötzlich den Weg abkürzen wollte und deshalb sein Fahrzeug über das Trottoir lenkte.

Wobei sich ein 50-jähriger Fussgänger über das nicht ungefährliche Manöver aufregte und mit seiner Hand auf die Heckscheibe des Autos klopfte.

Kopf auf den Asphalt geschlagen

Fest steht, dass der Limmattaler Lenker sogleich völlig ausrastete. Er stieg aus und rannte den Passanten von hinten über den Haufen. Dann setzte er sich auf das am Boden liegende Opfer.

Er hielt mit beiden Händen die Haare des Geschädigten fest und schlug dessen Kopf zwei Mal mit dem Gesicht voran wuchtig auf den Asphaltboden. Dann setzte sich der Dietiker vom Tatort ab und überliess den erheblich verletzten Schweizer seinem Schicksal.

Er hatte ein Schädelhirntrauma sowie einen Nasenbeinbruch erlitten und sieben Zähne verloren. Allerdings hatte er Glück im Unglück, da ein Rettungssanitäter den Vorfall beobachtet hatte und erste Hilfe leisten konnte.

Bereits am Bezirksgericht hatte der vorbestrafte Beschuldigte Erinnerungslücken geltend gemacht und die Schläge mit den Händen verneint. Das Opfer habe sich wohl die Verletzungen beim Sturz zugezogen, mutmasste er. Auch sein Verteidiger ging nur von einer einfachen Körperverletzung aus und setzte sich für Milde ein. In der Form einer Geldstrafe oder gemeinnützigen Arbeit. Da er unterlag, legte er Berufung ein und erneuerte seine Anträge am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht.

Da auch die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte und eine Straferhöhung verlangte, ging der Verteidiger ein Risiko ein. So konnte nun das Obergericht die Strafe nicht nur senken, sondern auch erhöhen. Erneut wich der Beschuldigte richterlichen Fragen aus und konnte sich trotz glaubhafter und unabhängiger Belastungszeugen nicht zu einem klaren Geständnis durchringen. Der Verteidiger verwies auf die Herkunft seines Klienten von den Fahrenden und den Nachteilen, die ihm seit der Kindheit widerfahren waren.

Ohne Erfolg. So folgten die Oberrichter vielmehr den Anträgen von Staatsanwalt Ulrich Weder, der von sinnloser Gewalt sprach und eine deutliche Straferhöhung um ein Jahr forderte. Das Obergericht ging aufgrund der Tatausführung ebenfalls von einer versuchten schweren Körperverletzung aus und erhöhte die Sanktion aufgrund eines erheblichen Verschuldens deutlich auf vier Jahre und drei Monate. Der Beschuldigte soll auch die Berufungskosten von 3000 Franken tragen.