Ihre Visitenkarten hat Erika Hüsler schon entsorgt. Heute Donnerstag ist ihr letzter Arbeitstag im Zürcher Lighthouse. Nach sieben Jahren als Leiterin des Sterbehospizes wolle sie sich anderen Themen des Lebens zuwenden, erklärt sie. Doch nicht nur ihres Abgangs wegen ist das Haus, das dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, im Umbruch (siehe auch Interview).

Gegründet als Sterbehospiz für Aidskranke, steht es heute allen Todkranken offen. «Wir sind spezialisiert auf Palliative Care im Langzeitbereich», beschreibt Hüsler die Ausrichtung des Hauses. «Zu uns kommt, wer weder in ein Spital, noch in ein Pflegeheim, noch nach Hause passt. Komplexe, aber nicht mehr akute Fälle sind unsere Nische.»

Mit seiner Ausrichtung, die Todkranken durch vielseitige Betreuung in einem möglichst persönlichen Umfeld das Dasein erträglicher zu gestalten versucht, sei das Hospiz Lighthouse auch heute noch ein spezielles Angebot. Laut Hüsler gibt es nur zwei, drei vergleichbare Institutionen in der Schweiz.

Spitäler drängen auf den Markt

Doch der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert: «Palliative Care» – schmerzlindernde umfassende Betreuung von Kranken ohne Aussicht auf Heilung – gehört in immer mehr Spitälern zum Angebot; etwa im Universitätsspital Zürich (USZ), im Kantonsspital Winterthur, im Spital Limmattal, im Kantonsspital Winterthur, im GZO-Spital Wetzikon sowie neu auch im Spital Männedorf. 2008 setzte der Kanton Zürich ein entsprechendes Konzept in Kraft.

«Palliative Care ist seither immer bekannter geworden», sagt Hüsler. «Die Bevölkerung weiss, dass sie Anspruch darauf hat. Aber die Finanzierung ist immer noch schwierig.» Zu zwei Dritteln werde das Hospiz Lighthouse durch Spenden finanziert. Ein Drittel komme von seinen Bewohnern oder – falls sie die nötigen Mittel nicht haben – von deren Heimatgemeinden sowie aus Pflegetaxen und notfalls aus dem Stiftungskapital des Zürcher Lighthouse. Betriebswirtschaftlich rentabel könne ein Haus nie sein, das für durchschnittlich zehn Patienten 45 Festangestellte mit 2100 Stellenprozenten beschäftigt. Nebst Pflege- und Hauspersonal gehören eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin, ein Seelsorger, eine Ärztin, eine Atemtherapeutin, eine Physiotherapeutin und eine Kunsttherapeutin dazu.

Umzugs- und Kooperationspläne

Bereits 2008 ging das Lighthouse eine Kooperation mit dem USZ ein. Für die Zukunft strebt es laut Hüsler weiterreichende Formen der Zusammenarbeit mit Spitälern unter einem Dach an. Der Neustart solle in wenigen Jahren in einem grösseren Gebäude für 20 Bewohner im Zentrum Zürichs stattfinden. Heute bietet das Lighthouse 14 Plätze an. Auslöser für die Zügelpläne sei der Sanierungsbedarf der Infrastruktur im 100-jährigen Gebäude, wo das Lighthouse noch beheimatet ist, sagt Hüsler. Das 30-Jahr-Jubiläum werde wohl schon an einem neuen Ort stattfinden.

Tag der offenen Tür im Zürcher Lighthouse (Carmenstr. 42, 8032 Zürich) am Samstag, 1. Juni, von 14 bis 17 Uhr.