Im Prinzip darf die berühmt-berüchtigte Zürcher Langstrasse längst nicht mehr als Rotlichtviertel zu erkennen sein. Auf der Strasse anschaffen ist dort verboten, sich halb nackt in ein Schaufenster stellen ebenso. Die Realität ist eine andere. Die Stadt müsse umdenken und den Tatsachen ins Auge sehen, finden Organisationen, die sich für die Rechte der Prostituierten einsetzen. «Wir fordern, dass ein Teil der Langstrasse oder der Querstrassen zu einem legalen Fussgängerstrich gemacht werden», sagt Doro Winkler von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ).

Stadtrat sagte explizit Nein

Damit steht sie quer zu den Absichten des Zürcher Stadtrats. Als es vor einem Jahr um den neuen Strichplan ging, schloss dieser explizit aus, im Langstrassenquartier eine Zone für legale Strassenprostitution zu schaffen. Er reduzierte die Zonen auf das Niederdorf, die Allmend Brunau und den neuen Strichplatz mit Verrichtungsboxen in Altstetten. Am Montag wird der Stadtrat über den aktuellsten Stand informieren. Bislang deutet nichts darauf hin, dass er seine Meinung geändert hat.

Für die Hilfsorganisationen ist das schwer verständlich. Die Langstrasse sei nun mal ein traditionelles Zürcher Rotlichtgebiet, sagt Doro Winkler. Nicht nur die Freier ziehe es dorthin, auch viele Prostituierten hätten dort ihre Zimmer und Salons. Und daran wird sich voraussichtlich so rasch nichts ändern: Die Stadt hat angekündigt, Sexsalons im Langstrassenquartier weiterhin zu bewilligen. Selbst illegale kann sie aus juristischen Gründen nur mit Mühe wieder schliessen, wie aus einem Gutachten hervorgeht.

Politisch: Polizei greift durch

Dass Freier und Prostituierte an der Langstrasse, wo sie zwangsläufig aufeinandertreffen, nicht anbandeln dürfen, ist laut Winkler problematisch. Insbesondere, weil die Polizei dort vermehrt Kontrollen durchführe und die Frauen zunehmend «willkürlich und ungerechtfertigt» büsse und wegweise. Die Arbeitsbedingungen der Prostituierten hätten sich dadurch verschlechtert.

Vor allem Frauen, die im Langstrassenquartier wohnen, müssten selbst dann damit rechen, von der Polizei aufgegriffen zu werden, wenn sie bloss zum Einkaufen in den Quartierladen gingen. Oder wenn sie mit Kolleginnen vor einer Bar eine Zigarette rauchten. Stets laute der Vorwurf, sie würden an einem verbotenen Ort anschaffen. Die Stadtpolizei bestätigt auf Anfrage nur, dass sie an der Langstrasse präsent sei. Es bestehen ein politischer Wille, Prostitution nicht mehr zu dulden, wo sie nicht erlaubt sei. Die Polizei nehme ihren Auftrag entsprechend wahr.

Alternative: Fensterprostitution

Doro Winkler ist überzeugt: Wenn es an der Langstrasse einen legalen Strassenstrich gäbe, könnte sich die ohnehin überlastete Polizei die Kontrollen sparen, und die Prostituierten hätten bessere Arbeitsbedingungen. Falls ein Strassenstrich für die Stadt ausgeschlossen bleibe, solle sie doch zumindest prüfen, im Langstrassenquartier die Fensterprostitution wieder zuzulassen. Die neue Prostitutionsgewerbeverordnung erlaubt es dem Stadtrat, dafür bestimmte Zonen zu bestimmen.

Nicht glücklich über solche Ideen ist die Quartiervereinspräsidentin Renata Taiana. Mit Prostitution in Gebäuden könnten die Bewohner der Langstrasse zähneknirschend leben, nicht aber mit Damen, die in Seitengassen anschaffen gehen.