Stadtplanung

Zürcher Koch-Areal: Stadtrat beantragt 42 Millionen Franken

Das besetzte Koch-Areal in Zürich Albisrieden, die aktuell grösste Hausbesetzung Zürichs.

Das besetzte Koch-Areal in Zürich Albisrieden, die aktuell grösste Hausbesetzung Zürichs.

Auf dem besetzten Koch-Areal soll laut dem Zürcher Stadtrat «ein Stück Stadt mit guter Durchmischung entstehen»: Er hat zwei Baugenossenschaften und eine Immobilienentwicklerin ausgewählt, um das Projekt «Wohnen, Arbeiten und Erholen» umzusetzen. Spätestens im November 2018 sollen die Stimmberechtigten entscheiden.

Der Zeitplan steht, die Bauträger sind bestimmt: 2021 sollen die Baumaschinen auffahren, 2023 soll das rund 30'000 Quadratmeter grosse Koch-Areal umgestaltet sein.

Die Wohnbaugenossenschaften ABZ und Kraftwerk 1 werden auf zwei Baufeldern preisgünstigen Wohnraum erstellen. 268 Mietwohnungen werden entstehen, über 80 Prozent davon sollen günstiger als 1500 Franken pro Monat sein. Die Immobilienentwicklerin Senn AG wird auf einem dritten Baufeld ein Gewerbehaus bauen, das unter anderem als Stätte für urbane Produktion dienen wird.

Dieses Projekt der drei beteiligten Partner hat die Jury von allen fünf eingereichten Ideen am meisten überzeugt: Sie hat es einstimmig zur Wahl vorgeschlagen, der Stadtrat ist diesem Antrag nun gefolgt, wie er am Mittwoch bekannt gab.

Koch-Areal: Überbauungspläne für besetzte Liegenschaft

Das Koch-Areal in Zürich: eine bewegte Geschichte

Seit 2013 ist das ehemalige Industriegelände in Zürich-Albisrieden besetzt. Lange gehörten Lärmklagen der Anwohner wegen Konzerten und Partys zur Tagesordnung. Seit Mittwoch ist nun bekannt, dass die Stadt Zürich als Eigentümerin des Areals dort bis zum Jahr 2023 sowohl Wohnungen wie Gewerbeflächen und einen öffentlichen Park bauen will.

Das Koch-Areal werde als "attraktiver Produktions-, Bildungs-, Wohn- und Kulturstandort" konzipiert, sagte Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) vor den Medien. Dieser werde auf die Quartiere Albisrieden und Altstetten ausstrahlen.

Die erfolgte Auswahl der drei Bauträger ist laut Leupi ein "wichtiger Schritt" für die Stadt: "Wir haben nun konkrete Projekte, die wir gemeinsam mit den Siegerteams bis zur Realisierung vorantreiben können."

Ein grosser Park als Treffpunkt

Zwischen den drei geplanten Neubauten bleibt viel Grünraum: Rund ein Drittel der der Fläche soll zu einem öffentlichen Park umgestaltet werden und sich zu einem Quartiertreffpunkt entwickeln.

Zu einem identitätsstiftenden Merkmal soll dabei die ehemalige Kohlenlagerhalle werden, wie Hochbauvorstand André Odermatt (SP) und Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) ausführten: Die markante Holzkonstruktion, die schweizweit ohne Vergleich sei, bleibe erhalten und werde in den Quartierpark integriert.

Um im Quartier, das mit Grünflächen unterversorgt sei, einen neuen Park zu ermöglichen, sei die Stadt bereit, einen namhaften Betrag einzusetzen, sagte Leutenegger. Die erforderliche Umzonierung zieht einen Abschreiber von rund 23 Millionen Franken nach sich.

Stadtrat lehnt FDP-Initiative ab

Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat und später dem Stimmvolk für den Projektteil der Wohnbauten einen Objektkredit von 42 Millionen Franken. Dieser beinhaltet eine Übertragung der Baufelder, die den Genossenschaften im Baurecht abgegeben werden, vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen (35 Millionen) und einen Projektierungskredit (7 Millionen Franken).

Die weiteren Kredite - unter anderem die Projektierungskredite für das Gewerbehaus (1,8 Millionen) und für den Quartierpark (0,8 Millionen) - beschliesst der Stadtrat in eigener Kompetenz.

Die Koch-Areal-Vorlage soll den Zürcherinnen und Zürchern spätestens im November 2018 an der Urne unterbreitet werden. Gleichzeitig soll ihnen auch die FDP-Initiative "Wohnen und Leben auf dem Koch-Areal" vorgelegt werden. Diese verlangt, dass das Areal an einen privaten Bauherrn verkauft wird, damit es schneller vorangeht.

Der Stadtrat hat diese Initiative inzwischen für gültig erklärt, er lehnt sie aber ab: Wenn das Areal an den Meistbietenden verkauft werde, dann liessen sich per se keine preisgünstigen Wohnungen realisieren, begründete Leupi.

Streit um Lärm hat sich beruhigt

Die Stadt Zürich hat das besetzte Koch-Areal 2013 von der UBS für 70,2 Millionen Franken gekauft. Bis zum geplanten Baustart im Jahr 2021 sollen die Besetzer bleiben. Solange sich diese an die Regeln halten würden, lehne der Stadtrat eine Räumung auf Vorrat weiterhin ab, wie Leupi vor den Medien sagte.

Dies sei derzeit der Fall: Lärmklagen, die 2016 für mediale und politische Aufregung gesorgt hatten, gingen nach dem Erlass von verbindlichen Regeln zurück. Laut Leupi wurden von Januar bis Juli lediglich acht Lärmklagen verzeichnet, die Hälfte davon ausserhalb der Nachtruhezeit. Zudem hätten die Besetzer auch die von der Feuerpolizei angeordneten Massnahmen umgesetzt.

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