Ansehen und Glaubwürdigkeit der Kirche nähmen grossen Schaden. Es sei ihnen ein "Anliegen, um Entschuldigung zu bitten", schreiben Annen und Schnüriger in einer Mitteilung vom Montag. Sie wenden sich mit ihrer Bitte vorab an Homosexuelle, aber auch an alle anderen, "die skandalisiert sind". Zudem richten sie ihre Entschuldigung an die "Schwestern und Brüder der evangelisch-reformierten Kirche", die vom entstandenen Schaden ebenfalls betroffen seien.

Huonder hatte Ende Juli-Tag im deutschen Fulda Textstellen aus dem Alten Testament zitiert, wonach Homosexualität eine Gräueltat sei, die mit dem Tod bestraft werde. Und er hatte nachgeschoben, mit den beiden zitierten Stellen könne man der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende geben.

Seit diesen Äusserungen des Churer Bischofs erhalten das Generalvikariat und der Synodalrat "zahlreiche besorgte und wütende Reaktionen von Gläubigen und Seelsorgenden", wie Annen und Schnüriger schreiben. Mit einer Stellungnahme habe man sich bisher bewusst zurückgehalten, um dem vom Bischof angekündigten und letzte Woche erschienenen Erklärungs-Brief nicht zuvorzukommen.

Jetzt aber brechen der Generalvikar und der Synodalratspräsident ihr Schweigen. Mit Sorge stellten sie fest, dass "das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche grossen Schaden nehmen", heisst es in dem Brief.

Glaube muss vor Vernunft bestehen können

Der Vorfall mache deutlich, dass die katholische Kirche ihre Sexualnormen in der Gesellschaft "nicht fundamentalistisch behaupten darf". Gefragt sei ein Glaube, der das Gespräch mit der Vernunft suche "und vor ihr bestehen kann". Eine Zukunft habe ein Glaube, welcher die Zeichen der Zeit wahrnehme und ernst nehme.

Annen und Schnüriger fordern einen offenen Dialog über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Antropologie, namentlich zur Sexualität des Menschen. Sie wenden sich gegen ein Ausblenden von heute gelebten vielfältigen Familienstrukturen und plädieren für Respekt vor andern Lebensentwürfen.

Die klaren Stellungnahmen der Bischöfe von St. Gallen, Lausanne/Genf/Freiburg und Basel sowie vom Einsiedler Abt Urban Federer nehmen der Generalvikar und der Synodalratspräsident "dankbar zur Kenntnis". Und sie freuten sich mit dem St. Galler Bischof Markus Büchel "an jeder Beziehung, in der sich die Partner als gleichwertige, wertvolle, geliebte Kinder Gottes annehmen".

Katholisch Zürich gehört als Administrationsgebiet zum Bistum Chur. Seit Jahren gibt es Bestrebungen zur Loslösung und Schaffung eines eigenen Bistums Zürich. Im Frühling 2013 reichten die Zürcher bei der Bischofskonferenz ein entsprechendes Gesuch ein. Seither ist das Gesuch auf dem Dienstweg unterwegs.