Der Kantonsrat fordert den Regierungsrat deshalb auf, ein solches Betreuungsmodell zu fördern. Er hat ein entsprechendes Postulat von SP, AL und EVP überwiesen.

Das Betreuungsmodell, bei dem erfahrene Hebammen eigenverantwortlich gesunde Schwangere und Mütter betreuen, heisst hebammengeleitete Geburtshilfe. In gewissen Spitälern wird sie bereits angeboten. Im Zürcher Stadtspital Triemli etwa können Frauen von so genannten Beleghebammen durch Schwangerschaft und Geburt begleitet werden.

Die Frage, ob dieses Modell im Kanton gefördert werden soll, führte am Montag im Kantonsrat zu einer ausführlichen ideologischen Debatte über den Kaiserschnitt. Hatten die Postulanten ihre Forderung doch unter anderem damit begründet, dass die hohe Kaiserschnittrate medizinisch nicht gerechtfertigt sein könne.

Studien zeigten, dass von Hebammen geleitete Geburten weniger unnötige Interventionen und zufriedenere Frauen brächten, argumentierten sie. Das Postulat von SP, AL und EVP wurde mit 117 zu 44 Stimmen bei 4 Enthaltungen überwiesen. Grüne und SVP unterstützten den Vorstoss - Letztere hingegen aus anderen Gründen.

Es gehe der SVP um die grundlegende Frage, ob gegen den hohen Anteil der Kaiserschnittrate Handlungsbedarf bestehe, sagte deren Sprecherin, "nicht um die Polemik der Postulanten". Deshalb unterstütze man den Vorstoss.

Frauen dürften bei der Entscheidung über die Art der Geburt ihrer Kinder nicht beeinflusst werden, betonten BDP und FDP ihre ablehnende Haltung. Und die CVP erklärte, dass mit dem Postulat gesellschaftlich bedingte Phänomene nicht verändert werden könnten.

"Es geht nicht um den Kaiserschnitt"

Es gehe nicht um den Kaiserschnitt, versuchte die SP-Sprecherin die Diskussion wieder auf das Thema zurückzubringen. "Es geht um die Hebammen und ihre Arbeit." Die Grünen pflichteten bei und betonten, dass es Sinn mache, die Fachkompetenz der Hebammen vermehrt einzusetzen.

Die Gesundheitsdirektion solle aufzeigen, wie Spitälern der Anreiz gegeben werden könnte, hebammengeleitete Geburten im Leistungskatalog aufzunehmen, sagte die Sprecherin der Grünen.

Der Regierungsrat wollte das Postulat nicht entgegennehmen. Die Versorgungslage in der Geburtshilfe im Kanton Zürich sei gut, die Frauen seien zufrieden, argumentierte er. Anpassungen der Rahmenbedingungen oder gar neue Gesetze seien nicht notwendig.

Schwangere Frauen können im Kanton Zürich gemäss Regierungsrat aus einem "qualitativ hochstehenden, breit diversifizierten Geburtshilfeangebot in 13 Spitälern und 2 Geburtshäusern" wählen oder sich auch jederzeit für eine Hausgeburt entscheiden.