Je einen Vizepräsidenten stellen SP und SVP. Trachsel erzielte für seine Wahl zum höchsten Zürcher ein Glanzresultat. 166 der 174 Anwesenden gaben ihm die Stimme.

Noch besser die Stimmenzahl für Bernhard Egg (SP, Elgg): 169 wählten ihn zum 1. Vizepräsidenten. Bei der Wahl zum zweiten Vize legten 26 Kantonsräte einen leeren Wahlzettel ein. Bruno Walliser (Volketswil) als zweites SVP-Mitglied im Ratspräsidium wurde nur mit 138 Stimmen gewählt.

Jürg Trachsel freut sich darauf, ein Jahr lang die Parlamentssitzungen zu leiten und den Kanton Zürich an zahlreichen Veranstaltungen zu repräsentieren, wie er in seiner Eröffnungsrede sagte. Er hoffe, der Pendenzenberg sei in einem Jahr etwas kleiner. Heute stünden nämlich nicht weniger als 174 Geschäfte auf der Traktandenliste.

Drei gewichtige Themen, die im Laufe des nächsten Jahres beraten werden, erwähnte der Ratspräsident: Das Gemeindegesetz, das die Kompetenzabgrenzung zwischen Gemeinden und Kanton festlegt, das Verkehrsabgabengesetz, das kürzlich an die Kantonsregierung zurückgewiesen wurde, und die Revision des Richtplans, der die Siedlungsentwicklung um den Flughafen regelt.

Der neue Ratspräsident war 1995 im Alter von 33 Jahren in den Kantonsrat gewählt worden. Vor seiner Wahl 2007 in die Geschäftsleitung des Kantonsrat war er zunächst Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur und danach der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit. In seiner Wohngemeinde Richterswil ist Trachsel als Gemeinderat Bauvorstand.

Sitzungseröffnung durch 67-Jährigen und 24-Jährige

Eröffnet wurde die konstituierende Sitzung gemeinsam vom ältesten und vom jüngsten Mitglied des Kantonsrates, einem erfahrenen und einem neugewählten.

Der 67-jährige Willy Haderer (SVP, Unterengstringen) ist auch das amtsälteste Ratsmitglied, gemeinsam mit der Grünen-Vertreterin Gabi Petri. Beide gehören dem Kantonsrat seit 20 Jahren an.

Die Jüngste im 180-köpfigen Parlament ist die Winterthurer Sozialdemokratin Mattea Meyer.

Haderer betonte in seiner Rede als «Alterspräsident» die Bedeutung einer guten Mischung von jungen und erfahrenen Mitgliedern im Parlament, eines «guten Mixes von Jugend und Seniorität». Alle könnten nämlich voneinander profitieren.

Er selbst sei in seiner politischen Karriere oft einer der Jüngsten gewesen, bei seiner Wahl in den Gemeinderat von Unterengstringen vor 41 Jahren beispielsweise das jüngste Exekutivmitglied im ganzen Limmattal.

Erfahrung sei nicht die einzige wichtige Voraussetzung für gutes Politisieren. Wertvoll sei auch Neugier und Offenheit, die vor allem - aber nicht nur - von Neuen eingebracht werde. Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Modelle seien gefragt, ebenso wichtig sei aber eben das Zusammenwirken aller Generationen.

Auch Jugendliche und Ausländer sollen an der Politik teilnehmen

Mattea Meyer plädierte in ihrem Votum dafür, auch Ausländerinnen und Ausländer sowie Jugendliche aktiv an der Politik teilnehmen zu lassen. Die Idee der Demokratie, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen für die Gesellschaft, sei schön. Einige Bevölkerungsgruppen fehlten jedoch noch im politischen Leben.

Vor 40 Jahren sei mit den Frauen eine wichtige Gruppe dazu gekommen, nun sei es aber Zeit für weitere. Die italienische Nachbarin, die seit langem in der Schweiz lebe, sei ebenso Teil des Volkes wie der engagierte 16-jährige Schüler. Meyer hofft, dass in vierzig Jahren Menschen wie diese auch im Kantonsrat sitzen und mitbestimmen können.