Die Umfrage wurde lanciert, nachdem im September in der Zürcher Innenstadt spontane Strassenfeste in heftigen Krawallen endeten.

Patrick Pons leitet vonseiten der Stadt Zürich die Facebook-Umfrage und ist Mitglied der Arbeitsgruppe, welche Ideen entwickeln soll, wie man künftig mit illegalen Partys und dem Wunsch nach mehr Freiräumen für Jugendliche umgehen soll.

«Die Facebook-Umfrage ist, was früher ein öffentlicher Briefkasten war, in welchem Ideen gesammelt werden», sagt er: «Wir sammeln alles was kommt und beteiligen uns bewusst nicht an der Diskussion.»

Kein Ansturm auf die Seite

Bis gestern Abend wurden rund 150 Meinungen abgegeben. Nur 15- mal haben sich Frauen zu einer Frage geäussert. Am häufigsten – 35-mal – wurden Meinungen zur Frage «Welche Freiräume fehlen dir in der Stadt Zürich?» abgegeben.

Der Wunsch nach «unorganisierten Betrieben, Räumen, Plätzen» wird genannt, jemand träumt von einer Imbissstube in einem Wohnwagen, Tabea von Klubs, die an einem Abend pro Woche für Jugendliche offen sind, dafür aber keinen Alkohol ausschenken. Dominik wird konkret: «Mir fehlen Partys die nicht kommerziell sind. Partys, die von Jugendlichen für Jugendliche organisiert werden und auf Plätzen, in Hallen und Räumen stattfinden, die für alle offen stehen. Man soll auch mit wenig Geld an grosse Partys gehen können!» Doch nicht alle finden, dass es Zürich an Freiräumen fehlt. Ein User nennt die Jugendlichen «verwöhnte Kinder, die zu arrogant sind, das bestehende Angebot zu benutzen und anzunehmen».

Klar wird, wenn man sich auf der «Fertig Puff»-Seite umsieht, dass es nicht nur Jugendliche sind, die sich vom stadträtlichen Aufruf zur Mitsprache angesprochen fühlen. Ein User hat Jahrgang 1951, eine Frau erzählt, wie sie während 25 Jahren durch das Zürcher Nachtleben getingelt sei und manch ein Foto macht Staunen, wer sich da alles zur Zürcher Jugend zählt.

Gefragt nach der «perfekten Partystadt», wünscht sich einer «Kein Eintritt. Schöne Frauen, die Singles sind und Männer ansprechen.» Jemand hofft auf Trams und Bus, die während der ganzen Nacht fahren und dass die Preise für Bier und anderes nicht so hoch seien.

«Die Polizei schlägt»

Auch wenn www.facebook.com/fertigpuff bisher nicht von mitteilungsfreudigen Jugendlichen gestürmt wurde, so ist Projektleiter Patrick Pons dennoch zufrieden. «150 Meldungen, das ist nicht wenig. Und es zeigt uns, dass Jugendliche motiviert sind, sich in die Diskussion einzubringen.» Am meisten überrascht hat ihn bis jetzt, wie kontrovers die Frage «Wie erlebst du den Umgang mit der Polizei im Ausgang?» beantwortet wird. Die Meldungen reichen von «Wenn man sich anständig verhält, kriegt man auch keine Probleme» bis hin zu «die Polizei schlägt, schubst und schikaniert jeden, bei dem der jeweilige Polizist dies für angebracht hält, was aufgrund der komischerweise ziemlich tief zu liegen scheinenden Hemmschwelle der Polizisten, sich provoziert zu fühlen, viel zu oft vorkommt und komischerweise nie bestraft wird.»

Direkter Dialog

Die Umfrage läuft noch bis zum 26. Oktober, Patrick Pons wäre «nicht unglücklich», wenn sich noch mehr daran beteiligen würden. Noch offen ist, ob und wie Jugendliche mitreden können, wenn es anschliessend darum geht, dass aus den virtuellen Ideen konkrete werden. «Ich kann mir vorstellen, dass wir in einen direkten Dialog mit einzelnen Jugendlichen treten, deren Ideen uns überzeugen», sagt Patrick Pons.