Man müsse kurzfristige Steuerausfällen in Kauf nehmen, um das Substrat langfristig zu stärken, hiess es am Dienstag an einer Medienkonferenz.

Inwiefern solche kurzfristigen Einsparungen mit Leistungskürzungen einhergingen, wurde nicht näher ausgeführt. Die Direktorin der Zürcher Handelskammer, Regine Sauter, sagte anlässlich der Präsentation des Steuermonitors 2013: «Bisher sind die kantonalen Ausgaben stets angestiegen. Man muss daher nicht sofort auf Leistungskürzungen schliessen. Die Ausgaben könnten auch stagnieren.»

Mit den Steuersenkungen solle die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Zürich «breiter abgestützt» werden, hiess es an der Medienkonferenz. Wie eine Ende September veröffentlichte Studie der Credit Suisse zeigte, ist Zürich bereits einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Schweiz. Einzig Zug schnitt noch besser ab.

In der Credit-Suisse-Studie konnte Zürich vor allem mit der Verfügbarkeit von Hochqualifizierten und der guten Verkehrslage punkten. Zwei weitere Kriterien waren die Steuerbelastung für Firmen und für Privatpersonen. Hier besteht zufolge der Zürcher Handelskammer noch Handlungsbedarf.

Die Organisation fordert die Senkung der Gewinn- und Kapitalsteuersätze für Unternehmen. Für Privatpersonen fordert sie, dass die oberste Tarifstufe bei der Einkommensbesteuerung gestrichen wird. Ausserdem soll die Progression bei den Vermögenssteuern abgeflacht werden.

Steuerwettbewerb ohne den Kanton Zürich

Der Kanton Zürich hat seinen Gewinnsteuersatz für Unternehmen bisher konstant gehalten und sich nicht am Steuerwettbewerb beteiligt, den die Zentralschweizer Kantone lancierten. Dies hat dazu geführt, dass Zürich heute zu den Kantonen mit vergleichsweise hoher Unternehmensbesteuerung zählt.

Im Kanton Zürich zahlen Unternehmen 21,2 Prozent Gewinnsteuern. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als im Kanton Luzern, der letztes Jahr die Gewinnsteuer auf das landesweit tiefste Niveau senkte. Einzig in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Genf, Solothurn, Waadt und Wallis sind die Gewinnsteuern für Unternehmen höher als im Kanton Zürich.

Die KPMG und die Zürcher Handelskammer befürchten, dass andere Kantone ihre Steuersätze nach der Unternehmenssteuerreform III weiter senken könnten, wodurch das Gefälle zum Kanton Zürich noch grösser würde. Diese Befürchtung basiert darauf, dass die Möglichkeit, bestimmte Unternehmensformen privilegiert zu besteuern, auf Druck der EU mit der Reform wegfallen könnte.

Kantone mit einer grossen Anzahl an privilegiert besteuerten Gesellschaften könnten sich daher gezwungen sehen, ihre Attraktivität über einen tieferen Steuersatz für ordentlich besteuerte Gesellschaften zu sichern.

Starke Progression bei der Besteuerung von Privatpersonen

Während die Steuersätze für Unternehmen in zahlreichen Kantonen gesenkt wurden, blieb die Besteuerung von Privatpersonen weitgehend unverändert. Verglichen mit anderen Kantonen zeigt sich, dass Zürich sowohl bei der Einkommens- als auch bei der Vermögensbesteuerung eine starke Progression anwendet.

Dies hat zur Folge, dass Zürich für Personen mit mittlerem oder tiefen Einkommen attraktiv ist, nicht jedoch für Personen mit hohem Einkommen. Verglichen mit den umliegenden Kantonen hat Zürich denn auch den höchsten Maximalsteuersatz in der Einkommensbesteuerung. Einzig Basel-Land, Bern, Genf, Jura, das Tessin und Waadt besteuern die höchsten Einkommen noch stärker.

Wie aus der Analyse der KPMG und der Zürcher Handelskammer hervorgeht, ist Zürich für eine ledige, kinderlose Person mit 100'000 Fr. steuerbarem Einkommen der viertattraktivste Kanton. Für eine vergleichbare Person mit 2 Millionen Franken steuerbarem Einkommen landet Zürich dagegen nur noch auf Platz 16.