Im September 1998 wurde die Akquisition besiegelt: Die Swissair zahlte 124 Millionen Franken für die französische Regionalfluggesellschaft Air Littoral. Die Führungsriege der Swissair wollte sie als Zulieferer am Drehkreuz Zürich nutzen.

Für Karl Wüthrich, den heutigen Liquidator der SAir Group AG, ist klar, dass die Konzernspitze damit ihre Sorgfaltspflicht verletzte. Die Air Littoral sei ein "wertloses Sanierungsobjekt" gewesen. Die Führungsriege habe mit diesem Kauf die damalige Swissair geschädigt.

Er verklagte 18 Verwaltungsräte und zwei Konzernleitungsmitglieder wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht, weil sie den Kauf nicht sorgfältig geprüft hätten. Das Zürcher Handelsgericht teilt seine Ansicht aber nicht, wie aus dem Urteil hervorgeht, über das am Donnerstag auch der "Blick" berichtet.

"Nicht ohne Risiko", aber vertretbar

Der Kauf sei zwar "eher teuer" und "nicht ohne Risiko" gewesen, schreibt das Gericht in seinem 100-seitigen Urteil. Es bezeichnet die Akquisition aber als vertretbar und plausibel. Der Ausbau der Position im französischen Markt habe grundsätzlich dem eingeschlagenen Weg der Swissair entsprochen.

Den Beklagten könne somit keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden, weshalb die Klage abzuweisen sei. Die ehemalige Swissair-Konzernspitze erhält nun je rund 200'000 Franken aus der Liquidationsmasse, als Entschädigung für den Anwalt.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Wüthrich, der Liquidator der SAir Group AG, kann das Urteil noch ans Bundesgericht weiterziehen.