In Zürich gibt es pro 100'000 Einwohner etwas mehr als zwei Verkehrstote pro Jahr. Deshalb gehört das Verkehrssystem der Stadt zu einem der sichersten in Europa. Dies belegt ein noch nicht veröffentlichtes Ranking von Safer City Streets, einem globalen Verkehrssicherheitsnetzwerk für verkehrssichere Städte, das vom Internationalen Transportforum geführt und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehört.

Mit dem Austausch untereinander verbessern Städte ihre Sicherheit im Strassenverkehr, indem sie Daten und Erfahrungen austauschen. Das Projekt wurde an der UN-Konferenz 2016 lanciert und wird neben Zürich von 44 weiteren Grossstädten unterstützt.

Wie Alexandre Santacreu von der Safer-City-Streets-Initiative sagt, liegt Zürich mit seiner Verkehrssicherheit im ersten Drittel des Rankings. Städte wie Stockholm, Berlin, Dublin, Kopenhagen, Malmö inklusive seiner Agglomeration sowie London und Oslo übertreffen die Schweizer Stadt aber hinsichtlich Sicherheit im täglichen Stadtverkehr.

Sicher, trotz der vielen Pendler

Dass die Zürcher Verkehrssicherheit mit einer vergleichsweisen tiefen Bevölkerung so gut abschneidet, überrascht nicht. Doch wie Santacreu sagt, reicht die reine Zahl der Verkehrstoten nicht aus, um die Verkehrssicherheit einer Stadt zu bestimmen. So würden neben der Bevölkerungszahl auch die Zahl der Personen, die sich während der Tageszeit auf den Strassen und mit den öffentlichen Transportmitteln bewegten, berücksichtigt. «Wenn man bedenkt, wie viele Menschen jeden Tag in Zürich arbeiten, scheint Zürich nach Stockholm verkehrstechnisch die zweitsicherste Stadt zu sein», sagt Santacreu.

Diagramm der Verkehrstoten pro 100'000 Einwohner und pro Tagesbevölkerung in Europa zwischen den Jahren 2011-2015.

Zudem fliesst die durchschnittliche Anzahl der Fahrten, das Aufkommen der verschiedenen Verkehrsmittel sowie zurückgelegte Distanzen in die Analyse von Safer City Streets mit ein. Auch das Tragen von Gurten und Helmen sowie die Reisehäufigkeit der Bevölkerung werden bei der Erhebung berücksichtigt.

Weil also der Indikator bereits um die Einwohnerzahl korrigiert wurde, spielt die Grösse der Stadt laut Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit bei der Stadt Zürich, keine so wichtige Rolle mehr: «Es liegen auch grössere Städte wie Berlin, Paris oder London ganz weit vorne.» Was aber laut Santacreu auch daran liege, dass sich ein hoher Bevölkerungsanteil in diesen Städten mit dem Zug und den öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen würde. «Das sind die mit Abstand sichersten Transportmöglichkeiten», so Santacreu.

Entsprechend werden auch die Strassen in Zürich regelmässig hinsichtlich ihrer Verkehrssicherheit überprüft, wie Brucks sagt. So würde man Sicherheitsinstrumente wie das Black Spot Management anwenden, welche das Bundesamt für Strassen (Astra) entwickelte. Dabei werden Unfallschwerpunkte analysiert und mit geeigneten Sanierungsmassnahmen sicherer gemacht.

Zudem hat die Stadt Zürich erst kürzlich im Rahmen der Zebra-Safari alle Fussgängerstreifen auf Stadtboden analysiert und Massnahmen ergriffen, diese sicherer zu machen. Zu guter Letzt hat die Stadt im vergangenen Jahr Virtual Reality Filme für die Gefahrenerkennung im Veloverkehr lanciert und die Stadtpolizei führt derzeit gerade eine Plakatkampagne mit dem Motto «Zeigs allne wod dure wotsch».

Wie der Ende Mai publizierte Verkehrssicherheits-Jahresbericht der OECD zeigt, konnten in der Schweiz die Zahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2016 um über 33 Prozent reduziert werden.