Heute startet auf dem Turbinenplatz in Zürich-West und im angrenzenden Schiffbau die vierte Ausgabe des Urban Bike Festivals. Rund 20 000 Besucherinnen und Besucher werden bis Sonntag erwartet. Zu erleben sind waghalsige Sprünge des Bikestars Danny MacAskill, neuste Produkte der Veloindustrie, kleine Konzerte – und ein Sicherheitsparcours. Die Förderung der Sicherheit und des Respekts im Strassenverkehr sei ein Schwerpunktthema, schreiben die Festival-Veranstalter in einer Medienmitteilung.

Sie reagieren damit auf die seit Jahren steigenden Velounfallzahlen. Allein in der Stadt Zürich gab es letztes Jahr 541 Velounfälle, wie der neusten Verkehrsunfallstatistik zu entnehmen ist. Während die Velofrequenzen in der Stadt seit 2013 um 50 Prozent zunahmen, stieg die Zahl der mit dem Velo Verunfallten im gleichen Zeitraum um 83 Prozent. Und: Zwei Drittel dieser Unfälle wurden durch die Velofahrenden selbst verursacht, wie Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr, kürzlich bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik sagte.

Ein Parcours mit vier Posten

Der Sicherheitsparcours am Urban Bike Festival soll nun helfen, diesem Trend entgegenzuwirken. Entwickelt haben ihn die Festivalveranstalter um Erwin Flury, der früher auch das Freestyle-Festival auf der Landiwiese organisierte, zusammen mit Verkehrssicherheits-Fachleuten der Stadt Zürich.

Der Parcours umfasst vier Posten. Am ersten können Besucherinnen und Besucher ein E-Bike mit Antiblockiersystem-Bremsen auf einem Kiesweg ausprobieren. Am zweiten Posten stehen Virtual-Reality-Brillen zur Verfügung, um typische Gefahrensituationen für Velofahrende zu simulieren. Am Dritten lässt sich das Queren von Tramschienen mit dem Velo üben, wobei angezeigt wird, ob der Winkel das für sicheres Queren nötige Mindestmass von 30 Grad beträgt. Sicherheitshalber schieben die Testpersonen dabei ihr Velo. Ein weiterer Posten schärft das Bewusstsein für die Autofahrerperspektive: In einem Lastwagen erleben die Festivalgäste, wie gross der tote Winkel ist, in dem man Velofahrer nicht sieht. Und im Autorückspiegel sehen sie, wie stark sich der Fahrabstand je nach Velotyp innert einer Sekunde verringert: Beim City Bike mit 15 Stundenkilometern sind es vier Meter, beim langsamen E-Bike mit 25 Stundenkilometern acht Meter – und beim E-Bike mit 45 Stundenkilometern 12,5 Meter.

Res Marti, Präsident von Pro Velo Kanton Zürich, begrüsst die Sicherheitsoffensive des Urban Bike Festivals. Der Gemeinderat der Stadtzürcher Grünen hält aber auch fest: «Heute sind deutlich mehr und schnellere Velos unterwegs als noch vor zehn Jahren. Unsere Verkehrsinfrastruktur ist dem noch nicht angepasst.» Vor allem an Verkehrsknotenpunkten gebe es häufig keine sicheren Velowege. Oft scheitere es am Kanton, der auf Durchgangsstrassen einen Autospurabbau zugunsten von Velowegen verhindere. Dabei gebe es genug Beispiele aus dem Ausland, die zeigten, wie auch im engen städtischen Raum gute Lösungen für Velos machbar seien.

Von einem allgemeinen Velokurs-Obligatorium hält Marti indes nichts. Schulkinder müssen in Zürich ohnehin schon eine Veloprüfung ablegen. Erwachsene, die schnelle E-Bikes fahren, brauchen bereits jetzt einen Fahrausweis. Und für alle übrigen Velofahrer wäre der administrative Aufwand nach Meinung des Pro-Velo-Präsidenten zu gross. «Fussgänger müssen ihre Verkehrskompetenz schliesslich auch nicht mit einem Ausweis belegen», sagt Marti – und bringt sogleich sein Unverständnis für Velofahrende, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, zum Ausdruck: «Sie riskieren ihr Leben.»