Erst dieses Setting mit begleitetem Wohnen und Thaiboxtraining habe bei ihm Verbesserungen gebracht. Schon früher seien für den Beschuldigten die verschiedensten Massnahmen angeordnet worden, dazu gehörten mehrmonatige Gefängnisaufenthalte und mehrere Unterbringungen in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen.

Fortschritte habe man damit aber keine erzielen können. Auch die Rückfallgefahr sei nicht kleiner geworden, schreibt das Gericht. Aufgrund dieser Erfahrungen und entsprechenden Fachberichten habe das Gericht davon ausgehen müssen, dass "Carlos" in einer geschlossenen Massnahme nicht therapierbar sei.

Dem Gericht blieb damit die Wahl: Entweder ganz auf freien Fuss setzen oder das heute kritisierte Massnahmenpaket anwenden. Wegen der Rückfallgefahr für neue gravierende Delikte entschied sich das Gericht für das Massnahmenpaket - also begleitetes Wohnen, Training und die Begleitung durch verschiedene Fachpersonen.

Erstmals therapeutische Erfolge

Gemäss Angaben des Gerichtes mit Erfolg: Erstmals seien bei "Carlos" therapeutische Erfolge festgestellt worden. Es sei deshalb angemessen gewesen, diese Massnahme weiterzuführen.

"Carlos" wurde im November 2012 wegen schwerer Körperverletzung und Unterlassung der Nothilfe schuldig gesprochen. Er hatte einen Jugendlichen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Dazu kamen mehrere frühere Delikte.

"Carlos" wurde zu 9 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wobei er diese Monate beim Zeitpunkt des Urteils bereits abgesessen hatte. Der Schweizer Jugendliche musste dem niedergestochenen Jugendlichen eine Genugtuung von 20'000 Franken zahlen. Er wurde zudem zu einer Schadenersatzzahlung in unbekannter Höhe verpflichtet.