Als einer von drei Notar-Stellvertretern hatte der 32-jährige Schweizer beim Notariat, Grundbuch- und Konkursamt in Zürich-Oerlikon sämtliche Berechtigungen. Diese nutzte er zwischen Februar 2013 und September 2014 vor allem für seine eigenen Zwecke, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

In 23 Konkursverfahren wies er das Personal oder die Banken direkt an, fiktive Guthaben an ihm bekannte Personen auszuzahlen. Diese Bekannten leiteten die Gelder dann - gegen ein kleines Entgelt - an den Notar-Stellvertreter weiter. Der Notar zahlte auch Geld an seine eigene Beratungs-Firma, die er nur zu diesem Zweck gegründet hatte.

In einem Fall wies er die Verantwortlichen einer konkursiten Firma sogar an, ihm Bargeld zu übergeben. Damit wolle er ausstehende Zahlungen decken. Er steckte das Geld aber in die eigene Tasche.

Bis zu seiner Verhaftung im September 2014 schaffte er es, insgesamt über 2 Millionen Franken abzuzweigen. Das Nachsehen hatten jeweils die Gläubiger der konkursiten Firmen, weil der Betrug die Konkursmasse schmälerte.

Autos, Kleider, Immobilien

Besonders grosszügig bediente er sich beim Konkurs der Music Network AG, die einst Radio105 betrieben hatte und 2014 bankrott ging. 1,2 Millionen Franken zweigte er dort ab. Mit dem erschlichenen Geld kaufte er unter anderem Autos, Kleider, Schmuck und Immobilien in Wetzikon ZH und Hamburg.

Im September 2014 klickten jedoch die Handschellen. Mitarbeitende des Notariats hatten verdächtige Transaktionen beobachtet und den Amtsvorsteher darauf aufmerksam gemacht. Der Notar-Stellvertreter kam in Untersuchungshaft und wurde per sofort freigestellt.

Fünf Monate blieb er hinter Gittern. Heute ist er gegen Kaution von 50'000 Franken wieder auf freiem Fuss. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfacher ungetreuer Amtsführung und mehrfacher Urkundenfälschung im Amt.

Kanton fordert Geld zurück

Der Prozess von Anfang Januar wird im abgekürzten Verfahren geführt. Der Beschuldigte ist also geständig. Es geht nur noch darum, dass der Richter den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft genehmigt.

Dieser Urteilsvorschlag fordert eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Davon soll der 32-Jährige 12 Monate absitzen. Weil er bereits fünf Monate Untersuchungshaft hinter sich hat, müsste er noch weitere sieben Monate hinter Gittern verbringen.

Für die restlichen 24 Monate Freiheitsstrafe und eine ebenfalls geforderte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 80 Franken soll der Vollzug bedingt sein, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Auf den Beschuldigten wartet jedoch nicht nur ein Gefängnisaufenthalt, sondern auch eine gesalzene Rechnung: Der Kanton Zürich musste die abgezweigten zwei Millionen Franken ersetzen - und fordert diese nun vom betrügerischen Notar-Stellvertreter zurück.