Herr Faesi, es gibt immer mehr Beschwerden bei der Ombudsstelle des Kantons Zürich. Wächst das Misstrauen der Bevölkerung oder gibt es mehr Missstände bei den Behörden?

Thomas Faesi: Ich glaube, weder das eine noch das andere trifft zu. Die Bevölkerung wächst, damit nehmen auch die Kontakte zu den Behörden zu – und damit eben auch die Fälle, in denen es nicht von Anfang an zu einer guten Lösung kommt.

Die Fallzahlen steigen aber stärker als die Bevölkerungszahlen. Lässt das nicht auf eine wachsende Unzufriedenheit schliessen?

Eine hieb- und stichfeste Erklärung dazu habe ich nicht. Man kann es immer irgendwie drehen und wenden. Es kann an der Komplexität liegen. Schauen Sie doch Ihre Steuererklärung an! Viele Leute sind damit überfordert, versuchen, das wegzudrücken – und plötzlich haben sie die Katastrophe. So läuft das. Meine Vermutung ist: Es gibt mehr Beschwerden wegen der grösseren Bevölkerungszahl, aber auch aufgrund der wachsenden Anzahl Staatstätigkeiten. Es gibt ja kaum noch etwas, das nicht staatlich geregelt ist.

Sie führen demnächst eine elektronische Meldeplattform für Korruptionsfälle ein. Warum?

Mit der elektronischen Meldeplattform kann man zweiwegig kommunizieren. Wir können also bei der Meldeperson nachfragen, ohne dass sie ihre Anonymität aufgeben muss.

Haben Sie den Eindruck, dass punkto Korruption die Missstände im Kanton Zürich besonders gross sind?

Nein, überhaupt nicht. Das ist kein Massenphänomen. Aber man muss es ernst nehmen.

Ende August gehen Sie nach elf Jahren als Ombudsmann in den Ruhestand. Was konnten Sie bewirken?

In vielen Fällen, bei denen ein Konflikt vorhanden war, konnte ich diesen zu einer guten Lösung führen, sodass man nachher einander wieder in die Augen schauen und weitermachen konnte.

Womit sind Sie gescheitert?

Bei der ressourcenmässigen Ausstattung der Ombudsstelle war ich immer auf der knappen Seite.

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(mts)